Kleider machen Leute ?

Das Studium der Menschen ist ein interessantes Hobby. Und im Allgemeinen kann der Student auch relativ schnell und problemlos hinter die Fassade schauen, die der Gegenüber in mühevoller Arbeit aufgebaut hat. Die Mauer bröckelt, so sehr man sich auch Mühe gibt. Die Maske fällt – in einem unbedachten Augenblick, meist emotionaler Natur.

Kleider machen Leute. Es ist wahr und auch wieder nicht. Bei vielen Gegebenheiten schaut man auf den Stil, auf die Art und auf den Gesamteindruck der Kleidung eines Gegenüber. Und versucht diesen dann anhand dieser Eindrücke einzuschätzen. Und dementsprechend zu behandeln, doch dieses eher unterbewusst.

businessmen-152572_640Das auszuprobieren ist relativ einfach. Es reicht der Gang über den sozialen Laufsteg einer Innenstadt, einmal im “Alltags-Schlabberlook” und einmal im Anzug. Allein die Reaktionen der entgegenkommenden und nichtsahnenden Probanden sind entsprechend. Während der Schlabberlock bestenfalls ignoriert wird, andernfalls toleriert oder gar müde belächelt – mit dem obligatorischen Augenverdreher. Doch wehe man ist für die Stadt overdressed. Man wird mit einer Höflichkeit behandelt, die sonst ihresgleichen sucht.

doch gewiefte Menschen können schnell hinter die Fassade der Oberflächlichkeit blicken, erkennen den Menschen im Gewande. Denn Kleider mach keine Leute. Das war, ist und wird immer so bleiben. Man mag sich verstecken hinter der oberflächlichen Arroganz und wird doch schnell als Weichei erkannt. Man mag sich die Ganzkörpermaske aufsetzen und doch blickt irgendjemand schnell dahinter. Sieht den Mensch in seinem seelischen Zustand, sieht den armen Schlucker im oberflächlich teuren Zwirn, sieht das Arschloch in den schönen Kleidern.

Menschen wollen immer besser sein als nötig und notwendig. Menschen wollen nicht gern auf Anhieb durchschaut werden und dazu ist jedes Mittel recht. Doch – wenn man einmal ehrlich zu sich selbst ist, ehrlich zu den Anderen und ihnen zeigt, wer man wirklich ist, kommt gern die Oberflächlichkeit und Ignoranz der Gesellschaft zur Vorschein und verurteilt schneller, als sie hinter die sonst aufgesetzte Maske blicken kann.

Selbstdarstellung ist ein großes Übel unserer Zeit und die Kleidung ist ein Teil davon. Mein Anzug, mein Haus, mein Auto – und alles auf Pump gekauft, nur um den Schein zu wahren einer Person, die man selbst nie sein kann. Gute Nacht Menschheit. Ein wenig Ehrlichkeit aller würde auch in der Hinsicht das Leben stark vereinfachen.

Dieser Beitrag wurde in Gesellschaft, Kritisiert, Meinung gemeint, Menschlicher Irrsinn, Mitmenschliches, Persönliches, Schwafelecke, Tagespalaver geschrieben und mit , , , , , , , getaggt. Speichere den Permalink.

One Response to Kleider machen Leute ?

  1. Wetterschaf sagt:

    Stimm ich dir auch zu. Ich trage auch am liebsten bequem und würde meine Trainingshose nicht ständig runterrutschen, könnte ich sie in der Öffentlichkeit tragen :)

    Selbst bei veranstaltungen, wo man schnieke erscheinen soll, weil man in einigen Dingen doch zu einer höheren Gesellschaftsschicht gehöre, fühl ich mich total unwohl, wenn ich in feinem…. äh in meinem einzigen Anzug (der schon über 10 jahre alt ist) stecke. Ich bin kein Mensch, der sich in besseren Klassen sieht und Fassaden mag ich noch weniger, was immer wieder zum Vorschein kommt, selbst beim Fasching.