Kleemann, N.U.C. und Lichtscheu – ein Abend in 3 Akten

Bevor irgendjemand wieder auf die absurde Idee kommt, dass wäre eine professionelle Kritik von jemanden, der keine Ahnung hat über Musik, Lyrik und co. oder irgendein Schwachsinn von einem verwirrten Fan – es trifft nur halbwegs zu. Ich bin weder ein professioneller Kritiker, noch ein Fan, noch sonst was in der Art – nur ein Genießer, der einen Abend voller Musik und Lyrik Revue passieren lässt.

Die Location

Der ursprüngliche Text war doch etwas zu kompliziert geschrieben, so dass ich diesen – das 1. und letzte Mal in der Geschichte dieses Blogs dahingehend abändere, dass aus Zweideutigkeiten Eindeutigkeiten werden, die für jedermann verständlich sind, ohne dass Mißverständnisse aufkommen … Darüber hinaus gibt es demnächst noch einen Beitrag über meine Gewohnheiten mich auszudrücken und wie diese zu nehmen sind. Doch zurück zum Thema:

Die Location war und ist Marias Ballroom, keine hochmoderne Szenebar, in der der Cuba Libre noch handgestreichelt über den Tresen wandert, ausgeschenkt von überstylten Burschen und Mädchen, sondern eine urgemütliche Bar mit angrenzendem Ballsaal der eher kleineren Variante. Gemütlicher und stilvoller als die Markthalle allemal. Und preislich durchaus erschwinglicher, auch für den kleineren Geldbeutel geeignet – für Hamburger Verhältnisse zumindest. Die familiäre Atmosphäre trägt überdies dazu bei, das aus einem Konzertabend ein Erlebnis wird, dass sich durchaus mit jeder großen Massenveranstaltung messen kann und dabei sogar noch deutlich besser abschneidet. Die nette Bedienung brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen, oder? Gesamteindruck gut, als Note eine saubere 2-. Die Eins hätte es bei dem handgestreichelten Cuba Libre gegeben …

trennlinie

1. Akt – Calvin Kleemann

Der Abend begann, wie zu erwarten war, nicht nur wortgewaltig, sondern auch stimmgewaltig. Monsieur  Kleemann, mit 22 Jahren nicht gerade als lebenserfahren zu bezeichnen, schafft es, den Saal zu wecken mit seiner nicht gerade zarten Stimme. Nur, und das war das störendste Element des Abends, war die Lautstärke der Anlage auf einem Pegel eingestellt, der für eine lyrische Lesung nicht gerade vorteilhaft wirkt, ganz im Gegenteil. Als Zuhörer musste man sich extrem konzentrieren, bei dieser Lautstärke den Sinn im Text zu erfassen. Und so war eine Wirkung seelischer Natur nicht vorhanden. Schade. Denn ich muss gestehen, ich bin nicht ganz unvorbereitet in diese Veranstaltung gegangen und habe mir im Vorwege einige seiner Auftritte via Youtube angetan und war es teilweise auch. Vielleicht auch mal im Vorwege mit dem Tontechniker absprechen und bei Bedarf auch mal eine zweite Meinung dazu holen. Auch, und gerade wenn bei der Lesung die Stimme gelegentlich etwas erhoben wird – um es milde auszudrücken.

Calvin, wo wir, ich, gerade beim dem Thema sind/bin (wie auch immer) – manchmal ist auch in einem anspruchsvollen Text die erhobene Stimme vortragender Natur etwas zu viel. Die Zuhörer wecken ist eine Sache, sie bei Laune zu halten eine andere. Und bei ein, zwei Stellen rutschte meine etwas in Richtung Keller. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden, meiner war es an einigen Stellen nicht.

Was du aber gut verstanden hast, Lob an einen Dortmunder von einem Wahl-Hamburger, ist die übliche örtliche Begrüßung via “Moin” zu jeder Tageszeit. Es hat sich, warum auch immer, in meine Synapsen eingebrannt, als du an mir vorbei gestratzt bist und mich nochmals mit “Moin” und einem spitzbübischen Grinsen gegrüßt hast – you’re remember?

Dennoch, ein Grund seine geistigen Ergüsse weiter zu verfolgen gibt es für mich allerdings, denn ich glaube, ich gehöre noch zu der Spezies, die damit etwas anfangen kann. Nach Schulnoten allerdings bewertet, nur eine Drei minus – was aber auch nur und ausschließlich der Lautstärke zu verdanken ist.

2. Akt – N.U.C.

Ich mag Musik nur, wenn sie laut ist – sagte, nein, sang einmal der Herbert. In diesem Falle traf es nicht unbedingt zu. Wenn Bass, Schlagzeug und E-Gitarre den Sänger übertönen, und das gerade bei einer eher unbekannten Band der Richtungen Gothic-Rock, Elektro-Rock oder Metal – oder einfach nur N.U.C.
Auch hier war die Ton-Abmischung nicht gerade optimal und wenn man die Band live kennen lernen möchte, absolut suboptimal. Dennoch, auf den Geschmack gekommen, werde ich mir einige Machwerke der rockigen und musikalischen Art dieser Band noch einmal in Ruhe und auf einem für mich verwertbaren Pegel zu Gemüte führen. Was die Stimmung hebt, war die Tatsache zu erleben, dass die Band noch richtig Spaß an ihrer “Arbeit” hatte, ein Pluspunkt, den ich jeder fast kleineren Band zugestehen muss, die nicht nur ihren Vertrag erfüllen soll. Und nachdem die Band nach dem dritten Titel langsam auch in Fahrt kam, konnte man auch langsam in die Stimmung eintauchen …

Müssig zu erwähnen, dass sowohl die “alten” Lieder wie auch neuere gespielt wurden. Zumindest wurde mein Interesse dahingehend geweckt, nicht nur die Bandseite im Internet zu besuchen, sondern sich auch die Musik in einer verständlicheren Abmischung anzuhören und damit war ich dann positiv überrascht. Mag ich. Kann bleiben.

Auch hier, in Schulnoten ausgedrückt, nur eine Drei Plus – dank der Lautstärke-Verfehlung. Rein musikalisch aber eine glatte Zwei und ein Danke für das schöne Erlebnis, diesmal ohne Ironie und Sarkasmus.

3. Akt – Lichtscheu

Der Hauptakt diesen Abend war natürlich die Gothic-Metal-Band Lichtscheu, der ich durchaus die eine oder andere Sympatie schon entgegen bringe und zu empfehlen gedenke. Denn Goldkehlchen Gela mit ihren Begleitern Freddy, Timo und Daniel haben diesen Abend die von mir höchstmögliche Auszeichnung verdient, die ich als Musikhörer zu vergeben habe: Entenpelle. Kennste nich? Aber Haut von Gans dürfte doch ein Begriff sein, oder? Gänsehautfeeling. Wahnsinn. Danke Gela!
Warum es die höchste Auszeichnung ist? Das schaffen nicht viele Musiker oder Bands. Das Gefühl, das Gela mit ihrer Stimme und der ebenfalls sauberen musikalischen Begleitung beibringt, diese Hand, die eiskalt den Rücken rauf und runter krabbelt, das wohlfühlen bei der Musik und versinken in den Texten, das war das Highlight des Abends.

Da werden die eins, zwei kleinen Patzer durchaus schnell vergessen. (Nein, einen muss ich aber immer auch reinwürgen.) Live seid ihr um Längen besser als auf CD, dass muss ich euch zugestehen. Eure CD’s schaffen nur die Erinnerung an die Auftritte und machen das Entenpelle-Feeling wieder präsent. Vor allem schafft es der Titel Rabenherz immer wieder, dieses Gefühl zu erzeugen. Natürlich waren auch die neuesten titel präsent, um einen Vorgeschmack auf das neue Album zu vermitteln. Apropos vermitteln, eine etwas ausführlichere Ansage durch Goldkehlchen Gela würde ich mir schon wünschen …

Goldkehlchen Gela hat es sogar geschafft, mit ihrer gewaltigen Stimme nicht gegen die Musik anzukommen, sondern mit ihr zu schwimmen. Und auch hier hat die Band gezeigt, dass sie nicht nur stoisch das Programm runter rattert, sondern auch Spaß am Auftritt, an der Musik hat. Wenn ich auch etwas vorbelastet bin und die Musik mag, so versuche ich dennoch differenziert und neutral zu bewerten, alles schlechte zu finden und komme doch auf eine Gesamtwertung von einer glatten Eins – mit Sternchen. Und etwas wehmütig muss ich daran denken, dass es zu wenige Live-Auftritte von euch gibt.

Lichtscheu @ Marias Ballroom - 02.05.2015

Lichtscheu @ Marias Ballroom – 02.05.2015

Links:

Marias Ballroom

Calvin Kleemann

N.U.C.

Lichtscheu

Dieser Beitrag wurde in Gedanken, Gothic, Kritisiert, Kunst, Medialer Auswurf, Meinung gemeint, Musik und Medien, Persönliches, Tagespalaver geschrieben und mit , , , , , , , , , , , getaggt. Speichere den Permalink.

Kommentieren beendet.