Nachtrag zum Tag der Arbeit …

Der 1. Mai ist nicht nur der Frühlingsanfang nach heidnischem Kalender – Stichwort Beltane, auch fälschlicherweise gerne Walpurgisnacht oder Hexenfeuer genannt. Nein, der 1. Mai ist für mich auch noch in alter guter kommunistischer Tradition erzogener, verzogener und ungezogener Bengel immer noch und in 1. Linie der Tag der Arbeit.

Arbeitskampf

Arbeitskampf

Dummerweise wurden wir damals noch, kommunistisch traditionsgemäß als fleißige Vertreter der Arbeiterklasse erzogen. Ach, hört sich das heute so urkomisch an. Und ohne den in Westdeutschland aufgewachsenen Angehörigen der BRDGmbH auf die Füße treten zu wollen – wir wurden wirklich zur Strebsamkeit und zu Fleiß erzogen.

Es gab ja offiziell keine Arbeitslosigkeit und inoffiziell hielt sich diese ebenfalls in Grenzen. Jedes Regime hat irgendwo halt auch seine guten Seiten. Ob es funktioniert hat oder nicht, sei mal dahin gestellt. Nur zu gern erinnere ich mich an die Geschichte, als ein arbeitsunwilliger Nachbar einer Tante von Polizei, Partei und Abteilungsleiter abgeholt wurde zur Arbeit. Nur zu gern erinnere ich mich an diese Geschichte, vor allem, wenn in der heutigen Zeit arbeitsunwillige Kollegen ihrem Arzt mehr Arbeit verschaffen.

Die offizielle Gedankenäußerung zum Thema kommt eh im Contra-Magazin, während meine Gedanken hier eben nur – meine Gedanken hier sind. Einer dieser Gedanken ist, dass ich mir sogar manchmal, man achte auf die Wortwahl, für manche die Wiedereinführung von Arbeitslagern wünsche. Solchen, die es verdient haben. Leute, die ich sehe, wenn ich nach Hause komme. Leute, die zu der Zeit den Kiosk belagern und ihren Frust im Leben nichts auf die Reihe zu bringen in Alkohol versaufen – apropos Alkohol. Zur Feier des Tages, als Held nicht der sozialistischen, aber dafür kapitalistischen Arbeit, ist es Zeit für ein Gläschen Wein. Mir zu Ehren, in meinem puren Egoismus. Das hab ich mir verdient. Genug Überstunden mache ich ja, genug Kollegen musste ich dieses Jahr schon vertreten. Nein wirklich, es ist verdient.

Und auch wenn ich in manchen Punkten bösartig, sogar gern böswillig bin – so arbeite ich im Grunde schon gern. Nur lieber wäre mir die Arbeit als Punkt der Selbstverwirklichung, mein damaliger Traumjob war schon immer Berufsurlauber, bezahlter. Aber bei dem Hungerlohn auf Hartz4, nein danke. Irgendwie wurde mir früher immer eingebleut, Arbeit macht Spaß und so – doch die Realität sieht heute irgendwie schon düster aus, auch wenn sich die Gesamtsituation in diesem Jahr merklich gebessert hat. Gleiche Verantwortung, gleiches Gehalt – aber deutlich nettere Arbeitszeiten und deutlich nettere Arbeit. Ein Prost auf mich – und die Helden der sozialistischen Arbeit. Oder so.

Dieser Beitrag wurde in Gedanken, Geschichtliches, Gesellschaft, Kommerz, Kritisiert, Menschlicher Irrsinn, Mitmenschliches, Schwafelecke, Tagespalaver geschrieben und mit , , , , , , getaggt. Speichere den Permalink.

2 Responses to Nachtrag zum Tag der Arbeit …

  1. giovanni gruen sagt:

    …was fuer ein Ritter der traurigen Gestalt…

    • Dark Lord sagt:

      Schön, wenn man Ironie verstehen könnte. Nein, sowas aber auch. Könnte da in dem Text Ironie gewesen sein? Wie furchtbar … Dann war sie aber wirklich gut versteckt, quasi LAUT RAUSGEBRÜLLT. Hr. Giovanni Grün, manches Mal hilft es auch, zwischen den Zeilen zu lesen.