Miteinander reden

Neulich las ich einen Text mit dem Thema “Generation beziehungsunfähig“. Und darin war die Aussage eklatant erkannt, dass die Einstellung zur Arbeit, zum Beruf im grossen und ganzen die Hauptschuld daran trägt, dass es kaum noch Familien nach dem klassischen Vorbild Mann, Frau, 2 Kinder im dem gemeinsamen Domizil eigenes Haus gibt. Halt, ein kleiner Widerspruch. Nein, mehrere Widersprüche. Denn nicht nur die geänderte Einstellung zum Beruf, sondern auch die Gesellschaft, das veränderte ICH-Bewusstsein und die Kommunikation untereinander und miteinander tragen ihr Scherflein dazu bei.

In einer Zeit, in unserer Zeit der kommunikativen, fast unbegrenzten Möglichkeiten ist es zur Tatsache geworden, dass zwar viel gesagt wird, aber nichts gemeint. Oberflächlichkeiten werden in Masse geteilt, mitgeteilt und verteilt – doch die wirklichen Dinge, die wichtigen, bleiben unsagt und verlieren sich im Strom der schnellen Worte.

Miteinander zu reden ohne wirklich etwas zu sagen ist wohl der mit Abstand größte Beziehungskiller schlechthin. Denn auch in grauer Vorzeit, die noch nicht all zu lange her ist, gab es die Berufung zum Beruf, nur wurde dort noch untereinander geredet, Gefühle nicht nur verbal, auch mental mitgeteilt.

Über Gefühle zu reden ist ein schwerer Akt der Unmöglichkeit geworden. Ja, es wird miteinander geredet, doch nichts gesagt. Banalität und Alltagsgeschwafel bestimmen den Gesprächsgrundstoff, wenn denn mal geredet wird. Vielleicht sollte man mehr miteinander reden statt gegeneinander zu schweigen.

Reden ist Silber und schweigen ist Gold – sagt das alte Sprichwort und wird doch viel zu oft an der falschen Stelle angewendet. Denn genau dann, wenn eine persönliche Aussprache wirklich wichtig ist, herrscht nur noch tiefes Schweigen. Schlimmer noch, anstatt einmal die Wahrheit am Schopfe zu packen und gnadenlos, dafür ehrlich einen reinen Tisch zu machen, dort, wo es angebracht ist, ergeht Mensch sich in Ausflüchten, in Lügen und Notlügen.

Ein vernünftiges Gespräch unter Erwachsenen, in den ernst der Lage vertieft, ohne humoristischen Seitenhieb oder sonstigen Schabernack, das scheint kaum noch möglich. Ach wie schön scheinen da doch die Zeiten, als selbst in bierseliger Laune noch ein tiefsinniges Gespräch möglich war, in dem zivilisiert Pro und Kontra, für und wieder zwar heftig, dabei aber noch im Rahmen geblieben, zur Sprache kamen und mit viel Feingefühl, Taktgefühl und Ehrlichkeit bis zum Ende gestritten wurde. Apropos gestritten…

Genauso, wie die Kultur der Kommunikation am Boden liegt, liegt.auch die Kultur des Streites am Boden. Eine ordentliche, mit Argumenten und auch Einsichten untermauerte Diskussion ist kaum noch möglich. Zu gefestigt ist das persönliche Ego, zu verbohrt die Ansichten, zu groß das eigene Ehrgefühl, um bloß einer gegenteiligen Meinung auch juristische ein fussbreit Raum zu geben. Wenn nicht immer nur das persönliche Ego im Weg stehen würde.

Doch ausgerechnet dann, wenn eine ehrliches und informatives Gespräch geführt wird, bleibt es bei banalen Fakten ohne Menschlichkeit, ohne Gefühl. Weitergabe von Informationen, ja das kann ein Gespräch sein. Ein informatives sogar. Doch wenn es nur um den Austausch von Informationen geht, da kann auch gleich die moderne Version der Kommunikation genutzt werden. Handy, Kurznachricht, Email … Weitergabe von Inhalt mit Sinn ohne Umschweife, doch ohne tieferes Verständnis.

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Das Wort

Am Anfang war das Wort
und brachte in angemessener Kürze
dem Menschen die gedankliche Würze
an jedem, neuen Ort.

Doch, halt, falsch, und wie!
war es nicht der Gedanke
der ohne auferlegte Schranke
dem Wort erst seine Flügel lieh?

So heisst es nun in einem fort:
Am Anfang war es nicht das Wort,
erst heißt es, in einem Gedanken fassen
denn ein Bild läßt jedes Wort verblassen.

Die bunte Sprache der Bilder
machen nur die Worte wilder,
ein Bild, mit einem Wort umschrieben
ist mir in den Gedanken geblieben.

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One Response to Miteinander reden

  1. Immer wieder schön von dir zu lesen :D