BlogBattle No. 11 – Vergissmeinnicht

Nein, so grausam. Wird Zeit, dass ich mal wieder an die Reihe komme, um ein Wort zu suchen, dass nicht so speziell ist, dass man mehrere Ideen dazu verwirklichen könnte. Doch was bleibt bei “Vergissmeinnicht” anderes übrig als entweder eine wissenschaftlich-botanische Abhandlung, entweder trocken oder lustig geschrieben, oder eine Kurzgeschichte im gleichen Format. Oh grausame Welt, was tut ihr mir an. Und gerade ich, der mit dem schwarzen Daumen gesegnet wurde, sehr zum Leidwesen aller Wesen der Flora, soll mir nun etwas aus selbigem saugen.

Unkraut - ähm, Blume

Unkraut – ähm, Blume

Phantasie hin oder her, doch der springende Punkt, der Anreiz, die Idee – kommt diesmal von einem Buch, dass mich trotz meines misslichen Verhältnisses zur Gattung der Blumen durchaus fasziniert hat. Aus dem grossen Bereich der belletristischen Literatur,  dem Bereich der sogenannten Fantasy, “Der Blumenkrieg” von Tad Williams, dass ich durchaus empfehlen kann. Auch und gerade als Kinder- und Jugendbuch. Auch wenn die Idee an sich abgekupfert ist, so schafft meine Phantasie trotz alledem auch eigenes:

Fürst Rose war stinksauer, was bei ihm fast an ein Wunder grenzt. Schließlich gehört er zur Familie der Duftblüter. Sauer und stinkend gehört im Normalfall nicht zu seinen Künsten. Doch harte Zeiten kitzeln alles aus einer Blume heraus, auch wenn es eine Adlige ist.

“Mein erlauchter Fürst, ” heuchelte das Buschwindröschen, ein niederer Adliger, der von den großen Rosen zur Wehrpflicht verdonnert wurde, “euer Sohn ist nicht auffindbar. Weder im Beet, noch im Bett. Er ist wie durch Zauberei verschwunden.” Der Fürst wurde noch röter vor Zorn und wechselte seine Farbe von blutrot ins weinrote. “Dann findet ihn gefälligst!” schallte donnernd sein zartes Stimmchen, “Es gibt keine Zauberei, er kann nicht einfach verschwinden!”. Wie vom Winde verweht rauschte das kleine Buschwindröschen eingeschüchtert aus dem Saal.

Der Fürst grub seine Wurzeln tiefer in die Erde, bis selbst die kleinsten Steine noch zu Staub zermahlen waren. Solch einen Zorn hatte er noch nie gefühlt. Dabei war der gestrige Tag noch im lauschigen Sonnenschein so schön gewesen. Er hatte mit seinem Sohn noch Menschen-Stechen gespielt und die einfache Verteidigung gegen diese Spezies geübt. Sie hatten zusammen gelacht, wenn wieder ein Mensch versucht hatte, sie anzufassen und mit den Dornen die schönsten Wunden gerissen. Das dabei geflossene Blut hatten sie mit ihren Wurzeln aufgesaugt, um ihre schöne, satte und blutrote Farbe in den Blüten aufzubessern.

Dieses kleine, kümmerliche Pflänzchen, dass am Rande des Beetes stand und irgend etwas verzweifelt gerufen hatte, daran konnte er sich nur dunkel erinnern. Was geht ihn auch das einfache Volk an? Schließlich war er Der Fürst, der Kanzler der Blumen. Irgendetwas hatte es ihm noch hinterher gerufen, erinnerte er sich. Irgendwas mit “Vergiss … mich … nicht … Fürst…”. Unwichtig. Wichtig war ihm jetzt nur noch, seinen Sohn wieder zu bekommen. In Gedanken versunken merkte er nicht einmal, wie das kleine Gänseblümchen vor ihm knickte. Erst als es etwas lauter versuchte, sich durch ein Räuspern bemerkbar zu machen und dabei die vorher verschlungene Biene fast auf seine Füße spuckte, bemerkte er es.

“Was willst du?” grummelte er und übersah den Fauxpas, den dieses niedere Wiesen-Unkraut verübte. “Mein Lord, mein Fürst, hier ist eine Glückwunschkarte” rülpste das Gänseblümchen und spuckte dabei verlegen noch einen Flügel hinter sich. Dass diese Insekten aber auch immer so knusprig sein müssen. Unwirsch entriss Fürst Rose dem zitternden Gänseblümchen die Karte und las mit aufgerissenen Augen den Text, der in krakeliger Schrift darauf stand:

“Fürst Rose, mein Name ist Myosotis, doch den könnt ihr wieder vergessen, der tut nichts zur Sache. Wiederholt habt ihr meine Warnung ignoriert, dass ihr mit eurem blutigen Gelage mit eurem Sohn nicht nur das Menschenblut aufsaugt, sondern auch meine Farbe und die anderer Blumen. Nun kann ich nur noch in einem sanften Blau durch die Gegend wandeln. Auch letztens, als ich euch hinterher gerufen habe ‘Fürst Rose, vergiss nicht uns andere Blumen. Ihr könnt mich aussaugen, doch meine Liebste nicht. Mein Fürst…’ ” Doch ihr habt einfach nicht aufgehört und nun ist meine Gemahlin fort. Verkümmert. Und damit ihr mit mir leiden könnt, niemand mag gern alleine leiden, hab ich euren Sohn entblättert und verbuddelt. Nun vergisst ihr mich nicht mehr und auch nicht die anderen.”

Vor Schreck und Angst verlor der Fürst seine sonst so tiefrote Farbe und wurde durch seine Trauer ganz welk. Nun, die anderen anwesenden Blumen sahen erstaunt die neue Farbe, die sie kurzerhand rosa nannten, zu ehren ihres trauernden Fürsten. Und weil er nur noch immer zitternd stammelte “… vergiss mich nicht …”. Nun, den Rest könnt ihr euch selber denken.

* * * * * * * 

Nein, Blumen waren noch nie irgendwie so richtig meins gewesen. Mit meinem schwarzen Daumen kille ich auch Kaktussen und Kakteen. Das gilt ebenso auch meine verschrobene Gedankenwelt, in der irgendwie keine Blumen vorkommen. Das ganze wissenschaftliche Gedöns drumherum können Wikipedia und diverse Almanache besser. Für Kräuterkundler sei noch diese Seite ans Herz gelegt.

 trennlinie

Wer jetzt noch etwa(s) nicht Blumiges, aber passendes sehen will, hier etwas von einer meiner nicht-Lieblingsbands:

[embedplusvideo height="300" width="640" editlink="http://bit.ly/1H4ShH0" standard="http://www.youtube.com/v/fa2TIXrwWbo?fs=1" vars="ytid=fa2TIXrwWbo&width=640&height=300&start=&stop=&rs=w&hd=0&autoplay=0&react=1&chapters=&notes=" id="ep4530" /]

Und damit bin ich dann auch schon wieder an der Reihe, selbst ein Wörtchen in die Welt zu posaunen, auf das alle nach meiner Pfeife tanzen und was aus ihren Gedanken dazu ablassen können. Somit lautet das neue Wort für das nächste BlogBattle:

>>> Phobie <<<

 

Teilnehmer:
1. Schakal mit seinen Gedankenwelten < pausiert diese Runde
2. Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
3. Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
4. Der DychterFyrst – mit seiner Buchstabensuppe < pausiert ebenfalls (Nachtrag)
5. Sebastian vom Pal-Blog
6. Mary von indubioprorea
7. Chelsea mit ihren vielen Dingen
8. Justine von Justine
9. und selbstbrüllend Ich, the Lord himself

 

Dieser Beitrag wurde in Blogbattle, Gedanken, Gesellschaft, Menschlicher Irrsinn, Morgendlicher Wahnsinn, Natur und Kosmos, Schwafelecke, Sprache und Schrift geschrieben und mit , , , , , , , , getaggt. Speichere den Permalink.

13 Responses to BlogBattle No. 11 – Vergissmeinnicht

    • Dark Lord sagt:

      Du weisst schon, dass ich für gute Noten nichts zahle, oder? :D Aber wie dem auch sei, ich fand es furchtbar und gequält …

  1. Mary sagt:

    Ein schönes Geschichtchen, 2+

  2. Sebastian sagt:

    Wie immer: Was am unscheinbarensten ist, stellt sich am Ende als das grausamste heraus. Diese Seite der Blumen kannte ich noch gar nicht.

    Ichigokomori: 2
    Wetterschaf: 2
    Indubiopromary: 1-
    Justine: 1
    Chelsea: 2-
    C&A: 1

  3. Man merkt, dass du mit Blumen nicht viel anfangen kannst. Das Ergebnis deiner Folter ist diesmal nicht so mein Fall und war aufgrund der Thematik ein wenig schwach, daher gibt es nur eine 3.

  4. Ein unerwarteter, unerwartet blumiger und guter Beitrag. Von mir eine 1+.

    Meine anderen Bewertungen:

    Ichi 2++
    Wetterschaf 2
    Pal 1
    Mary 1-
    Justine 1+

    sonnige Grüße :-)

  5. Wetterschaf sagt:

    Brutale Blumen, ich sollte mich wohl demnächst von Beeten fernhalten.

    Du: 1-
    Ichigo: 2
    PAL: 2+
    Mary: 1-
    Chealsea: 3
    Jü: 1,3

    Gruß Schafi