Kleines Reisetagebuch II.

Wie immer und üblich nimmt man sich vor bei solchen Kurzreisen, die gelegentliche freie Zeit zu nutzen für ein Tagebuch. Doch schon der Ankunftstag war durchgeplant – wie es sich für Gastgeber gehört. Und so fing der Abend dann so richtig an mit einem zünftigen Schmaus in einer Mittelaltertaverne und warmen Met. Besteck zum Essen? Bewahre. Messer reicht. Schönes Wurfmesser zum üben. Nein, ich habe den Abend nicht geübt. Waren leider keine Vollidioten anwesend, die sich freiwillig als Zielscheibe präsentiert haben.

Drachenleben

Drachenleben

Gut, den üblichen spiessbürgerlichen und osterfestlichen Kram ignoriere ich wie immer weitestgehend und soweit möglich. Man will ja schließlich den Ruf als Spaßbremse nicht verlieren. War schwer erarbeitet. Und so könnte der Text der niemals geschriebenen Grußkarte lauten: “Essen lecker und rustikal, Menschen erträglich und warmer Met dröhnt besser. Schöner Anreiseabend. Gruß von irgendwo aus dem Nirgendwo”. Blabla.

Aber dann morgens wie abends mit überschwänglicher Freude begrüßt zu werden, auch wenn es nur vom treusten Freund des Menschen ist, in dem Fall zwei, erfreut doch irgendwie. Kein Geheuchel menschlicher Un-Art, sondern einfach die pure tierische Freude. Ehrlich. Tiere sind und bleiben die besseren Menschen. Und mit Geduld und zu drängeln kann Mensch eben schnell der Freund eines jeden Tieres werden, sogar von den majestätischen Katzen,  die in der Hinsicht wirklich wählerisch sind. Odin, der Müde von der traurigen Gestalt und Samson, der eifersüchtige Clown – das sind schon zwei Prachtexemplare tierischer Natur der hündischen Art.

Der morgendliche Weckruf ertönt wie auf einem kleinen Hof üblich von dem Federvieh, dem ich daraufhin meine Meinung ins Nest gequakt habe. Die Meinung in Form eines Liedes einer gruftigen Band – da hört der Spaß auch für den Hahn auf und wieder legt sich Schweigen über das kleine Fleckchen Erde frei jedweder menschlicher Anwesenheit – von mir abgesehen. Und so habe ich dann auch freimütig dem Gockel erklart: wenn man keine Ahnung hat, einfach mal den Schnabel halten. Sonst könnte durchaus die Pfanne als Belohnung winken. Ich bin da nicht so, ich gebe wirklich jedem eine Chance, auch dem Federvieh.

Und so brach ich dann irgendwann mit meinen Gastgebern, und zwar auf zu einer kleinen Tour in das Umland. Und ich habe gelernt, der schiefe Turm von Pisa ist nur ein Witz, gut vermarktet. Eine kleine Gemeinde im Nirgendwo hat einen schieferen Turm und damit auch den Eintrag in das Guinness Buch der Weltrekorde sicher. So ein Kirchturm mit über 5 Grad Neigungswinkel wirkt nur von weitem beängstigend, wenn man darunter steht, fällt es gar nicht mehr auf. Und so kommen wir schon der absolut und überhaupt nicht favorisierten Todesursache: Erschlagen vom Kirchturm. Nein, dass muss wirklich nicht sein, da gibt es elegantere Möglichkeiten des Ablebens.

Moment trotzdem kurz. Ich muss hoch ein kurzes Gespräch mit dem Hahn führen, der den Sinn der vorigen Unterhaltung doch nicht verstanden zu haben scheint. So thematisch über öffentliche Ruhestörung. Und natürlich mein neues Fell ablegen, dass mir in der kurzen Zeit zwar nicht gewachsen,  dafür aber mit tierischer Freude überreicht wurde.

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