Freiheit ohne Grenzen?

Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Halt, Moment einmal. Hier darf ich doch gar nicht sein, der Zaun hinter mir möchte mich vom Gegenteil überzeugen. Doch überzeugen lassen will ich mich nicht. Hier ist ein Zaun, der darf nicht sein. Zäune setzen Grenzen und ich mag keine Grenzen. Grenzen sind irgendwie einengend. Ich möchte grenzenlos durch die Welt stromern, nur eingeengt von meiner eigenen Reichweite, mich zu bewegen. Leben ist Bewegung und die Grenzen sind nur wir selbst. Das habe ich versucht, dem Zaun zu erklären. Der, der hört mir irgendwie gar nicht zu. Hat auf Durchzug geschaltet. Ok, was der kann, kann ich wohl auch. Und das grundsätzlich und sowieso besser.

Durchzug. Nein, wohl eher Durchmarsch. Einfach über den Zaun, über die Grenzen hinweg, die mir gesetzt wurden, die ich aber absolut nicht akzeptieren will. Frei zu sein, ohne Grenzen. Irgendein ominöser Musiker hat mir wohl einmal diesen Floh in das Ohr gesetzt. Ich mag aber keine Flöhe im Ohr. Die jucken und das Ergebnis ist kratzen. Das habe ich von meiner Katze gelernt. Die kratzt sich auch immer hinter dem Ohr und guckt dabei voll bescheuert. Ich will mich nicht hinter dem Ohr kratzen müssen und dabei bescheuert aussehen. Das sieht doch bescheuert aus. Und überhaupt, was haben Flöhe mit Zäunen und Grenzen zu tun? Gar nichts, denn Flöhe kennen sowas nicht. Frei wie ein Floh durch die Welt springen. Kann das nicht einmal jemand als Liedtext verarbeiten? Das würde doch schon eher passen. Frei wie ein Floh im Wind. Platsch, hängt der Floh an der nächsten Auto-Frontscheibe, breit und matsch. Nein, kein rühmliches Ende und damit auch kein schöner Gedanke für meine grenzenlose Freiheit, der Grenzen gesetzt wurden.

WoWScrnShot_092014_092233Frei wie der Wind, der durch die Gassen fegt. Ein Gassenhauer. Hat auch schon jeder, der sich Musiker, Literat oder Dichter schimpft, ausführlich und breit gekaut. Auch dem Wind sind Grenzen gesetzt und diese Grenze heißt Hauswand. Er knallt mit voller Wucht dagegen und fegt dann benebelt weiter. Gegen die nächste Hauswand. Hat irgendjemand den Wind schon einmal mit einem Flipper-Ball verglichen? Dann bin ich wohl damit der erste. Und dieser Film sieht im Kopfkino einfach nur – bescheuert aus. Nein, zurück auf los, fangen wir noch einmal von vorne an.

Wer oder was verkörpert den Sinn von Freiheit ohne Grenzen? Frei wie ein Blatt im Wind, dass sich trotzdem irgendwann auf die Straße setzt und von unzähligen Füßen breit getreten wird. So wie eben auch von mir. Das Blatt lag vor dem Zaun, der meine Freiheit behindert. Voller Schadenfreude springe ich auf dem Blatt herum und singe “Hurra, hurra, die Hex’ ist tot”. Und komme mir dabei überhaupt nicht bescheuert vor. Warum auch, sieht doch kein Mensch, nur die Flöhe, Blätter und der Wind. Und der Zaun sagt sowieso nix, der hört ja nicht einmal zu. Einfach hoffnungslos. Perspektivlos. Perspektivlos? Nein, noch habe ich eine Wahl. Die Wahl, über meinen eigenen Schatten zu springen. Obwohl, das sieht bestimmt genauso bescheuert aus wie die vorige Aktion.

Mein Kryptonit ist der Zaun. Das einengende, die Mauer, die im Weg steht. Warum auch Mauern immer im Weg stehen müssen. Aber das haben wohl Zäune und Mauern so an sich, die müssen einfach irgendwo sein. Aber ausgerechnet auf meinem Weg? Da haben die nun wirklich nichts zu suchen. Ständig stellt mir jemand einen Zaun in meinen Weg. Oder heißt das auf meinen Weg? Der Weg ist das Ziel. Ha, da haben wir sie wieder, die Binsenweisheit. Aber solange nicht die Weisheit mit den Löffeln gefressen werden muß. Schmeckt doch bestimmt nicht. Zumindest nicht allen. Auch die Weisheit hat Grenzen. Aber keine Zäune. Hat die ein Glück!

Haben Zäune auch ihr persönliches Kryptonit? Aber klar doch, die Drahtschere lässt grüßen, ebenso die Kettensäge. Holterdiepolter liegt der Zaun am Boden. Befreit von allen irdischen Sorgen. Die Sorgen eines Zaunes möchte ich auch mal haben. So nichtig und trivial. Einfach nur mal im Weg rumstehen. Gut, viele Menschen können das auch gut. Wenn sie sonst nichts können.

Moment einmal, hat irgendjemand meine Motivation gesehen? Eben war sie noch da, doch sie muss mir entfleucht sein, wie eben auch … Nein, das gehört hier nun wirklich nicht her. Aber der Motivation hinterher rennen möchte ich nun auch nicht. Zumindest hat sie ein Ziel, nämlich ganz schnell von mir wegzukommen. Wie war das gleich noch? Der Weg ist das Ziel. Oder das Ziel ist der Weg? Mit der abhanden gekommenen Motivation ist auch die Ordnung der Gedanken abhanden gekommen. Aber dann muss das wohl so sein. Dann ist es eben so. Wer braucht schon sortierte Gedanken? Man stelle sich den Kopf vor mit einem unglaublich großen Wäscheberg darin. Selbstverständlich Schmutzwäsche. Und alles in einem ordentlichen und wilden Durcheinander. Durcheinander bin ich ich auch? Wo war ich stehengeblieben? Nein, ich laufe ja noch, durch die Nacht, an Zäunen und Wänden vorbei, ohne Ziel auf einem Weg, den ich nicht kenne. Einfach weg, der Freiheit hinterher.

Genauso, wie mir die Motivation fortgelaufen ist, ist auch die Freiheit in eine unerreichbare Ferne gerückt. Eine Ferne, die zu erreichen ich mir vorgenommen habe und doch nur – von fern sehen kann. Hier sitz ich nun und kann nicht mehr. Nein, ich stehe hier nicht, bin doch kein armer Tor. Außerdem kann ich nicht mehr stehen. Das Gelatsche durch die Botanik aus Beton und gelegentlichem Grün hat mich geschafft. Dann noch die gelegentlichen Kletterpartien über die Hindernisse hinweg, die meiner Freiheit in den Weg gesetzt wurden. Bloß gut, dass mich keiner sehen kann, hoffe ich zumindest. Denn Regeln und Gesetze, staatlich garantierte Grenzen habe ich bestimmt gebrochen. Nicht dass mich das auf irgendeine Art und Weise tangieren würde. Das geht mir sowas von am Gluteus Maximus vorbei, auf dem ich gerade sitze. Irgendwo im Nirgendwo.

Fragt mich bloß nicht wo ich gerade bin. Wenn ich das nur selbst wüsste. Manch einer würde sagen, ich hätte mich verlaufen. Dass kann man so sehen, kann man aber auch sein lassen. Verlaufen ist so ein bescheuertes Wort. Ich bin doch nur gelaufen, nicht verlaufen. Das würde ja aussehen, wenn ich verlaufen wäre. Die Gedanken rieseln fröhlich weiter, mal ernst, gelegentlich auch heiter.

Apropos weiter. Wenn ich irgendwann an mein unbekanntes Ziel gelangen will, dann sollte ich mich auch auf dem Pfad weiter begeben, quer durch die Betonruinen, in denen sich das Grün seinen Weg bahnt. Menschliche Grenzen, einfach gesprengt durch die natürliche, urwüchsige Kraft. Sagen mir meine Gedanken jedenfalls. Die müssen aber auch immer dazwischen funken! Aber, die haben auch einen Vorteil, denn die Gedanken sind frei. Halt, Moment.

Und irgendwann erreicht mich die Erkenntnis auf meinem Weg durch die Einsamkeit. Grenzen existieren nur im Kopf. Grenzen sind nur die, die mein Verstand mir persönlich vorgibt. Alle anderen Hindernisse lassen sich aus dem Weg räumen, umgehen oder gar ignorieren. Doch die wirkliche Freiheit ist in meinen Gedanken. Frei zu denken, was ich will. Frei zu denken und danach zu handeln – innerhalb der mir auferlegten Grenzen. Aber grenzenlos frei sind meine Gedanken. Und in diesen kann ich wirklich alles erreichen. Und so setze ich meinen Weg fort – in meinen Gedanken. Ohne Ziel, nur einen endlosen Weg. In Freiheit. Und außerdem noch folgendes: Wege sind dazu da, man mag es kaum glauben, um gegangen zu werden. Und Gedanken, um gedacht zu werden. Gedanken sind Botschaften von uns und für uns.

Hab übrigens meiner Katze erklärt, dass sich hinter dem Ohr zu kratzen einfach nur bescheuert aussieht. Sie hat mich nur bescheuert angesehen …

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2 Responses to Freiheit ohne Grenzen?

  1. Claudia sagt:

    Hm, hast du sowas ähnliches nicht schon mal geschrieben? Irgendwie kommt mir das so bekannt vor