Hommage an den – 3-Tage-Bart

Ich will mich nicht schon wieder rasieren müssen. Nein, dazu habe ich absolut keine Lust. Und außerdem mag ich das Jucken im Gesicht, das anderes Jucken überlagert. Aber wen juckt das schon außer mich selbst?

Für meine Position als Menschenquäler und Sklaventreiber – obwohl ich selbst nur einer bin – muss ich adrett aussehen, hochwertiger als nur wertig. Und da stört er nur, der 3-Tage-Bart. Sagen die nicht vorhandenen Vorschriften. Irgendjemand hat mal gesagt, das man als Vorgesetzter stets ordentlich rasiert zu sein hat. Doch wer es gesagt hat, kann mir niemand sagen. So ist das eben mit den Sagen. Irgendjemand sagt etwas und alle machen es nach. Aber warum, kann dann niemand mehr sagen.

Ich mag es nicht, mich morgens rasieren zu müssen. Das Wort “müssen” alleine schon fördert die innere Auflehnung zu Tage. Und die Haare in meinem Gesicht, wen stören die schon? Die nichtvorhandene Frau? Meine Katze? Die hat selber genug, die regt sich über sowas nicht auf. Die gibt mir höchstens noch ein paar ab. Hier Kerl, du siehst so nackig aus wie alle Menschen, haste ein paar Haare mehr, kannst es gebrauchen. Ich bin da nicht so, ich geb es gerne ab. Hab ja genug. So sind sie die Katzen, selbstlos wie eh und je. Wenn sie wollen.

Ungepflegt sieht es aus, wenn man unrasiert in der Firma aufschlägt. Was ist daran ungepflegt? Dank der morgendlichen Dusche ist alles sauber. Gut, es sieht etwas borstig aus, aber das war es auch schon. Männlich vor allem. Ein Merkmal im Gesicht, dass mich von jeder Frau sofort unterscheidbar macht. Und lieber hab ich ein paar Haare mehr im Gesicht, wenn sie auf dem Kopf schon lichter werden. Ich könnte ja jetzt auch wie viele andere besonders eitle Gestalten mir die Arschhaare ins Gesicht verpflanzen lassen. Näää, furchtbarer Gedanke. Ich will doch nicht meinen eigenen Arsch auf dem Kopf haben. Reicht schon, wenn ich meinem Chef in selbigen kriechen muss. Und mit ein paar Barthaaren flutscht …

Macht es weg. Furchtbar dieser Film, ich will sie nicht mehr, die Bilder. Sie machen mich so richtig irre. Macht es weg, nein, ich habe nichts gesagt, gar nichts. Wir waren bei den Barthaaren, bei meinem geliebten 3-Tage-Bart. Ohne Hintergedanken, ohne an Hintern zu denken. Toll, da ist es schon wieder dieses Wort.

Aber hinten rum wird immer so frech gelästert, wenn ich wieder mal mit 3-Tage-Bart auf Arbeit aufschlage. Es würde mich älter machen. Na und? Das Gefasel macht mich schneller älter, dieses unqualifizierte Geflüster. Vor allem das Geflüster im Rücken, das man ja doch immer mitbekommt. Wenn Frauen lästern und meinen, es hört niemand. Aber Frauen haben so ein schrilles Organ, dass auch auf 3 Meilen gegen den Wind das Gesagte in die Lauscher flattern lässt. Wie eine Sirene, die sich in sämtliche Windungen des Ohres bohrt und dann durch sämtliche Windungen im Denkapparat fortsetzt. Aber was tangiert mich schon das Geschwätz anderer, vor allem von Frauen?

Nein, ich liebe ihn, den 3-Tage-Bart. Es ist ein Gefühl von Freiheit, von persönlicher Freiheit. Der Freiheit, morgens einen Kaffee mehr trinken zu können, statt die Zeit mit dem Rasierapparat zu vergeuden. Oder meine arme, sensible Haut mit scharfen Klingen zu malträtieren. Außerdem ist so ein 3-Tage-Bart auf seine Art schon irgendwie flauschig, plüschig. Hat was, sich selbst ins Gesicht zu fassen und zu spüren, dass da etwas ist. Ja, ich liebe meinen Bart. Auch wenn er nie länger wird. Denn am 4. Tag geht er mir selbst schon auf den Senkel. Und dann kommt der Rasierer, der gehasste. Aber was sein muss, muss nun mal sein. Aber erst einmal ein Käffchen.

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2 Responses to Hommage an den – 3-Tage-Bart

  1. Maxx sagt:

    Jep, seh ich auch so, wobei ich auch fünf Tage als okay empfinde; ist Geschmackssache. ;-)