Die Zeit der Visagen – vis-à-vis

Die Zeit geht wieder los. Die Zeit, in der mich irgendwelche Visagen grinsend von Plakaten verhöhnen. Und die Zeit, in der irgendwelche politischen Vereinigungen die obskursten Versprechungen versprechen. Doch nicht umsonst ist im Wort Versprechung das Verb versprechen drin. Und versprechen kann sich nun wirklich jeder hergelaufene Trottel von der Strasse. Ein Versprecher ist in jeder Rede.

Wenn alles eingetreten wäre, was die Visagen mir schon andrehen wollten, nur damit sie meine Stimme bekommen, um ihren Arsch in irgendeinem Parlament breit zu sitzen (auch wenn es nur eine Bezirkswahl ist) – ja dann. Dann würde ich schon längst im Liegestuhl fleetzen, mit einem Cocktail in der Hand und die Schirmchen zu einer Pyramide stapeln um die Götter zu verhöhnen. Ich würde jeden Abend im Garten meiner eigenen Burg grillen, ums Feuer hüpfen und frohdoof Kumbaja gröhlen. Aber da dem ja so nicht ist…

Für jeden nicht eingehaltenen Versprecher fünf Euro – ich wäre Millionär. Doch da ja nur von den ewig grinsenden Visagen auf den Plakaten jeder sich selbst sein bester Freund ist, wäre Milliardär schon wahrscheinlicher. Wieviel müssten die mir dann für meine Stimme zahlen?
Theoretisch sollte man ja mal hingehen und sagen: Ich glaube alles, was du da versprichst. Was zahlste?

Selbst die Alternativen zu den herkömmlichen politischen Possenreissern sind nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Das weiße auch nicht. Nicht einmal die Eierschale. Was wollen die denn schon bewegen, wenn der Karren schon am Abgrund hängt? Zum Ruder herumreißen ist es eh schon zu spät. Die Aussichten für die Zukunft sind nicht unbedingt rosig zu nennen. Gibt es einen Farbton, schwärzer als schwarz?

Nein, diese grinsenden Visagen mit den vielen bunten Buchstaben als Vereinskürzel können mir nicht den Himmel versprechen, wenn sie mir schon die Hölle auf Erden beschert haben. Ich könnte ja meiner Verstimmung freien Lauf lassen, ein paar von den Dingern runter reissen oder als Zielobjekt für fliegende Messer nutzen, aber dafür eine Anzeige wegen Sachbeschädigung? In was für einer Zeit leben wir, wo man nicht einmal einer Visage auf dem Papier eine reinhauen darf? Dabei sieht die so aus, als bräuchte sie das. Es juckt so in den Fingern – ach verdammt. Und eine Strafgebühr ist es mir dann doch nicht wert. Bleibt nur noch ein Liedchen dazu zu trällern, ein passendes:

[embedplusvideo height="300" width="640" editlink="http://bit.ly/1yzZ5r0" standard="http://www.youtube.com/v/96F5hK0IWkk?fs=1" vars="ytid=96F5hK0IWkk&width=640&height=300&start=&stop=&rs=w&hd=0&autoplay=0&react=1&chapters=&notes=" id="ep3655" /]

Dieser Beitrag wurde in Bürakraten-Irrsinn, Financial & Politcal, Gedanken, Meinung gemeint, Menschlicher Irrsinn, Politic(al), Schwafelecke, Tagespalaver geschrieben und mit , , , getaggt. Speichere den Permalink.

Kommentieren beendet.