Wie ein Vorwort beeinflussen kann

Neulich, irgendwo bei den niederen Sachsen, kurz: Niedersachsen. Klein Dark-Lord im Arbeitseinsatz bei der besten Freundin und dann fällt doch tatsächlich aus der auszuräumenden Schrankwand ein Buch ab, dass nun den Besitzer gewechselt hat, ganz im Stil von dem Film “The Ring” – einfach weitergegeben. Ein Cover, dass alleine schon magisch anziehend wirkt, ein Autor, der nicht genannt wird und ein Buch, dass keinen Namen hat. “Das Buch ohne Namen“. Und das Vorwort des Autors Anonymus (nicht zu verwechseln mit den Hackern aus der Gruppe, die in keiner Gruppe sind) – es brannte sich ein wie kein Anders. Und so entstand eine Faszination zu diesem Buch, dass nicht gelesen werden kann aus Angst, dass diese Faszination flöten geht.

Das Buch ohne Namen

Das Buch ohne Namen

Schon der Einband verspricht, ganz im Sinne des zukünftigen Lesers: “So abgedreht wie Douglas Adamas, so blutig wie Quentin Tarantino”. Alleine diese beiden Namen bewirken eine Vorfreude, schätzt man doch den Wahnsinn von Tarantino aus bildlicher Sicht und den Wahnsinn von Adams vor dem geistigen Auge.

Doch den gedanklichen Wahnsinn liefert der Autor selbst in seinem Vorwort an den Leser:
Nur wer reinen Herzen ist, mag auf die Seiten dieses Buches blicken. Jede umgeblätterte Seite, jedes gelesene Kapitel bringt ihm dem Ende näher. Nicht alle werden es schaffen. Die zahlreichen unterschiedlichen Handlungsstränge und Stilrichtungen mögen manch einen verwirren und blenden, und obwohl sie gleich vor ihm liegt, ihn während der ganzen Zeit unablässig nach der Wahrheit suchen lassen. Die Dunkelheit wird kommen, und mir ihr großes Übel. Diejenigen, die dieses Buch gelesen haben, werden das Licht vielleicht niemals wieder erblicken.

Ein Text, der neugierig macht und zeitgleich abstößt. Und nun? Nun steht das Buch als Blickfang in der vordersten Reihe und ruft, während der faszinierte Dark Lord davor steht, die Unschlüssigkeit selbst. Einerseits gibt es das Verlangen, endlich den vielgepriesenen Wahnsinn einzusaugen, eine Gier, die Sucht nach dem Unbekannten, den Schleier zu lüften.

Und andererseits, aus Angst diese Faszination zu verlieren, die dieses Buch im Moment noch ausübt, bleibt es stehen. Als Blickfang, in vorderster Reihe. Magisch anziehend und abstossend zugleich. Es ist nicht die Angst, es ist diese Vorankündigung des Wahnsinns. Doch Angst, Angst enttäuscht zu werden. Und so wird es wohl lange Zeit stehen bleiben.

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3 Responses to Wie ein Vorwort beeinflussen kann

  1. KiSa sagt:

    Ich empfehle dir: lies es nicht :) es macht äußerlich mehr her als innerlich.

  2. S. Max sagt:

    Würde es an deiner Stelle auch lieber ungelesen lassen, um die Magie des Buches zu bewahren. Drei Möglichkeiten:
    1. Du könntest entttäuscht werden.
    2. Du könntest durch diese Lektüre den Verstand verlieren, ergo “das Licht nie wieder erblicken”.
    3. Du könntest die “ganze Wahrheit” erfahren. Wer will das schon?
    :-)