Non scholae, sed vitae discimus

Non scholae, sed vitae discimus“ – nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir (Seneca). Der Spruch sollte ursprünglich das Leitbild jeder Bildungseinrichtung sein, doch schon Seneca daselbst hat früh erkannt, dass es so nicht ganz richtig ist. „Non vitae, sed scholae discimus.” Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.

Mal ehrlich, wer hat 20 Jahre nach seinem Abschluss noch etwas von seinem Schulwissen behalten? Gewiss, die Dinge, die man täglich braucht. Doch da hapert es schon bei den meisten, was ist der Unterschied zwischen einem Mehrwertsteuer-Erlass und einem Rabatt und wie wird das jeweils berechnet? Selbst bei den einfachsten Dingen wie dem Dreisatz mangelt es bei den meisten Erwachsenen und doch ist es genau das mathematische Instrument, das man am meisten im Leben benötigt.

Wohin unsere schulische Bildung uns bringt, sieht man heute. Berühmt geworden durch diese Erkenntnis ist ein junges Ding, so um die 18, die auf Twitter das Ganze wunderbar in einem Satz zusammengefasst hat:

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“ (Nana; Quelle: Focus online)

Waldorfschüler haben da mehr Glück, die können ausserdem noch ihren Namen tanzen und wahrscheinlich noch das ihnen zugehörige Sternzeichen. PISA sei Dank, wissen wir auch woran es hapert: Unsere Jugend ist durchschnittlich strunzdumm – ohne jetzt alle über einen Kamm scheren zu wollen. Ausnahmen bestätigen sicherlich auch diese Regel. Was wird denn noch in der Schule gelehrt? Soziologie und Theologie sind überaus wichtig – damit der perfekte Sklave von Morgen auch weiß, dass grundsätzlich Gott allein schuld ist – Gottes Wege sind unergründlich, blablablabla.

Wohin die Wege führen – und da ist nicht allein unser Schulsystem daran schuld, sondern auch das Gesellschaftssystem an sich – zeigt ein Kommentar von Max Roth, den er auf Facebook postete zu diesem Thema:

Ich war früher sehr ähnlich, wie diese junge Frau: Voller Selbstvertrauen, Kraft und Elan. Das Leben hat mich nun resignieren lassen. Genau wie diese mutige, kluge, wundervolle Frau, habe ich an mich und an meine Fähigkeiten geglaubt, und habe dann in der Oberstufe die Schule abgebrochen, nicht studiert und keine Berufsausbildung abgeschlossen, sondern habe mich dann INTENSIV als Autodidakt in Praxis & Theorie geschult, in verschiedenen Branchen… Ich darf bescheiden hinzufügen: Ich bin nun 47 Jahre alt, spreche und schreibe perfekt vier Weltsprachen, habe (belegbar, nachweisbar & bestätigt) weit überdurchschnittliche Kompetenzen in den Bereichen Kunst, Kultur, Musik, Text & Darstellung, komplettiert mit kognitiven Talenten und interdisziplinären Fachwissen aus den Bereichen Marketing, Touristik, Gastronomie & Event-Management. – Ich bin nun seit dem Jahre 2012 dauerarbeitslos und ALG2-Bezieher, und bin darüber zerbrochen, dass kein Unternehmen meine Talente testen will, da ich “keine Papiere habe”. Nun bin ich im Armuts-Teufelskreis, und warte als Diabetiker mit Bluthochdruck auf ein sozialverträgliches und frühes Ableben. Ich bin nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. In meinem letzten Job, im Jahre 2011 in Garbsen, habe ich hochkomplexe Standortanalysen verfasst, unter der Zuhilfenahme maßgeschneiderter Firmensoftware. Mit meinen Exposés, habe ich den Entscheidern ein zuverlässiges Instrument an die Hand gegeben, um über Einzelbudgets von bis zu einer viertel Million Euro zu entscheiden. Pro Woche, pro Standort, ein Jahr lang. Nun mache ich beim BFZ (GFI) einen Kurs, vom Jobcenter bezahlt. Heute habe ich gelernt was ein Keyboard ist, was ein Computerdrucker ist und was eine Computermaus ist. Und ich habe gelernt, dass man “mit einem Computer alleine” nicht ins Internet kommt. Man braucht auch einen Internet-Zugang. Ich bin sehr dankbar. (Max Roth, Facebook)

Letzterer Absatz bezieht sich auf das angesprochene Thema: Problem mit der Gesellschaft. Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit den Leuten, das eben eine Weiterbildung, auch wenn sie keinen Sinn macht. Und sie verschwinden zumindest zeitweise aus der Statistik, damit die olle Frau an der Macht wieder prahlen kann: “Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste, die es je gab.” Anscheinend versteht niemand den Sarkasmus, die Ironie in diesen Worten. Ehrlich gemeint waren sie gewiss nicht. Zurück zum Thema.

Ob nun diese Art der Kritik am Schulsystem wie von der jungen Göre getwittert so richtig ist, mag dennoch bezweifelt werden. Denn Steuern, Miete und Versicherungen sind eher die Themen, die zwar in der Schule mal behandelt werden sollten, aber grundsätzlich von und mit den Eltern zu erarbeiten sind. Schließlich ist es deren verdammte Pflicht, ihre Sprößlinge auf das vorzubereiten, das kommt, wenn sie flügge geworden sind. Man möchte, 20 Jahre nach dem eigenen Abschluss, mal so für ein paar Stunden im Unterricht hospitieren um zu sehen, was unsere späteren Rentenverdiener so lernen. Es wäre aber fast besser, das nicht zu wissen. Der nächste Ohnmachtsanfall ist dann garantiert schon vorprogrammiert.

Wird in der Schule überhaupt noch brauchbares Wissen vermittelt? Das ist die Frage aller Fragen. Zum Nachdenken darüber …

Allerdings wäre da noch eine Sache zu erwähnen, wo die fehlende Bildung wirklich deutlich wird: in der mangelnden Eigenständigkeit. Wenn man keine Ahnung von Wohnung und Miete hat, dann sucht man sich diese Information raus. Schließlich hat fast jeder Jugendliche ein internetfähiges Smartphone und weiß meistens auch, wie eine Suche im Internet funktioniert. Und selbst wenn etwas auf Anhieb nicht funktioniert, dann fällt man eben auf die Nase und lernt daraus. Das ist ein ewiger Prozess und die beste Schule des Lebens. Aber diese eine Sache hat die Jugend mit der Zeit ja auch verlernt: Einmal verlieren zu können. Auch wenn die Pädagogik gern suggeriert, dass wir alle Sieger sind – wo ein Sieger ist, muss es auch einen Besiegten geben. Plus und Minus, einfache Logik auf das Leben angewandt. Alles andere ist kein Sieg.

Quellen:
Focus online
FAZ
Facebook

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4 Responses to Non scholae, sed vitae discimus

  1. KiSa sagt:

    Ich frage mich auch schon die ganze Zeit, was die Schule einem über Miete beibringen soll. Kostet Geld, muss dem Vermieter jeden Monat überwiesen werden? Also dafür brauche ich ganz sicher keine Schule.

    • Dark Lord sagt:

      Gewisse Sachen kann und muß man sich schon selbst erarbeiten. Aber – ein wenig Hilfe von offizieller Seite in solchen Dingen wäre auch nciht zu verachten. Doch mal ehrlich, wer außer zukünftigen Literaturstudenten oder anderen künstlerisch Begabten muss denn unbedingt ein Gedicht analysieren können? Und 3 Sprachen in der Schule – finde ich auch etwas leicht übertrieben.

  2. Maxx sagt:

    Sapere aude. Dein letzter Absatz trifft ja den Nagel auf den Kopf.
    Was hier gelehrt wird, ist “Untertanenwissen”. Daher ist’s mit mehr Bildung auch nicht getan. Mehr Bildung heißt i. d. R. mehr Religionsunterricht, noch mehr Gedichtsanalysen oder frühkindliche genderkonforme Sexualkunde? Wertneutrale, ideologiefreie Wissensvermittlung über Themen wie Steuern, Geldanlage oder Finanzsystem wäre schon interessant und auch nicht ganz so trivial. Na ja, Miete, Pacht, Leasing wär natürlich auch ein interessantes Thema, in Mathe vielleicht? Aber so was lernt man doch quasi im Vorbeigehen… Stimmt das überhaupt, was diese “Naina” da schreibt? Oder rafft sie das nur nicht und nimmt ihre Unfähigkeit/Beschränktheit als Vorwand für diesen Rundumschlag? Manchmal bin ich froh, dass ich kein Twitter oder Facebook lese oder nur als gelegentliche Zitate.
    Und wenn solche Themen an Schulen gelehrt würden, befürchte ich, dass da “hilfreiche Sponsoren” aus der Finanz-/Versicherungsbranche in den Schulen antanzen, die die Schüler in ihrem Sinne bearbeiten würden.
    Das, worauf es im Leben ankommt, muss man sich immer selbst erarbeiten, eben informieren, Fehler machen, Lehren ziehen…
    Mein Vater (selbst Lehrer) pflegte übrigens zu sagen: Selbst der beste Lehrer kann nicht verhindern, dass seine Schüler etwas lernen. ;-)

  3. Obrigkeitsgegner sagt:

    Deutschland ein durch und durch totalitäres Land– und die gute alte DDR im Vergleich dazu eine Art Feierabenddiktatur?- http://www.cicero.de/berliner-republik/tabulose-republik-es-darf-wieder-alles-gesagt-werden/57235. Die Herzlosigkeit staatlicher Organe hatte zum Untergang der DDR geführt. Bei unserer Form der parlamentarischen Demokratie handelt es sich um nichts anderes als eine Scheineinrichtung- http://www.neopresse.com/politik/dach/kommentar-fragwuerdige-demokratische-prozesse/. Der Staat ist eine Institution des Diebstahls, wobei Politiker und Bürokraten das Geld der Bürger stehlen, meint Goodfrey Bloom, Mitglied des Europäischen Parlaments- https://www.youtube.com/watch?v=5OjeGD2bbN4.
    Selbst zu mobben fördert die Gesundheit, schadet allerdings der Gesundheit der Gemobbten http://www.stern.de/wissen/mensch/neue-studie-mobbing-schadet-der-gesundheit-ausser-man-mobbt-selbst-2110066.html.
    Die Bundesregierung mobbt. Sie geht selbstgefällig mit den Bürgerrechten um (vgl. http://www.youtube.com/watch?v=dgsNB8JKDd8 und http://www.gruene-bundestag.de/cms/archiv/dok/294/294128.achtung_der_grundrechte.html). Auch die Petitionsausschüsse, Beamte und Richter gehen selbstgefällig, bürgerfeindlich, sogar mobbend gegen Bürger vor. Gerichtlichen und behördlichen Entscheidungen fehlt wegen gewollter Verdrehungsabsicht der Tatsachen und der Rechtslage zumeist eine plausible Begründung, oft sogar die Sachbezogenheit (vgl. http://unschuldige.homepage.t-online.de/default.html). Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen sind systemkonform, vgl. http://www.odenwald-geschichten.de/?p=1740. Beim Rechtsbruch bilden sich Seilschaften, vgl. z.B. http://www.odenwald-geschichten.de/?p=682 und http://de.wikimannia.org/Rechtsbeugung.
    Schon in Schulen und Universitäten werden unsere Kinder vom Staat skrupellos getäuscht, denn die Lehren zum Grundgesetz sind irreführend, weil die obrigkeitsstaatlichen Strukturen der Monarchie beibehalten wurden (vgl. http://www.gewaltenteilung.de/idee).
    Das Bundesverfassungsgericht hat sich eindeutig zu den Bürgerrechten geäußert: Sie als Bürgerinnen und Bürger haben kein Recht auf Recht und auch erst recht kein Grundrecht bzw. grundrechtsgleiches Recht auf Demokratie aus dem Grundgesetz, vgl. http://www.demokratisch-links.de/die-linke-probleme-mit-demokratie-und-rechtsstaat. Die Erfolgsquote beim Bundesverfassungsgericht liegt sicher deshalb bei nur 0,2 bis 0,3 %- vgl. http://www.amazon.de/Das-Recht-Verfassungsbeschwerde-R%C3%BCdiger-Zuck/dp/3406467237.
    Es rechnet es sich immer wieder für die Regierungen als “Billigung und Belohnung”, Straftaten gegen die Menschenrechte zu begehen. Auch Sinn und Zweck des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist es, den Menschen eine Illusion von einer heilen Welt der Menschenrechte vorzuspielen. Die Menschenrechtsopfer werden finanziell, gesundheitlich und sozial abgebrannt- vgl. http://derhonigmannsagt.wordpress.com/tag/europaischer-gerichtshof-fur-menschenrechte/. Dass nach Auswertung von hunderten Rechtsfällen die Verarmung der Bürger mit Hilfe der Staatsorgane erfolgreich betrieben wird, kann man unter http://unschuldige.homepage.t-online.de/flugblat.htm bestätigt finden. Dass der Rechtsstaat auf dem Papier keinen Eingang finden kann in die Köpfe und die Herzen der Menschen, die ihn vertreten sollen wird auch bestätigt unter http://web.wengert-gruppe.de/wengert_ag/news/2003/SteuerstrafverfinDeutschland.pdf.
    Die Leute nehmen den Schurkenstaat hin, denn es kränkt ihren eigenen Narzissmus, wenn sie sich ständig vorstellen müssen, beherrscht und ohne Einfluss zu sein (vgl. http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/macht.html). Auch hat man Angst vor der jederzeit gewalt- und terrorbereiten Obrigkeit.
    Ein Staat, der eine Staatsgewalt zur unumschränkten und unkontrollierten Machtausübung ermächtigt, bewegt sich in Richtung Diktatur. Es ist an der Zeit, den Rechtsstaat mit Mitteln der direkten Demokratie, d.h. der Beteiligung der Bürger an der Rechtsprechung, zu errichten. Bürgergerichte sind einzuführen, vgl. https://www.change.org/p/bundesjustizminister-heiko-maas-strafbarkeit-von-rechtsbeugung-wiederherstellen-b%C3%BCrgergerichte-einf%C3%BChren. PS.: Petitionen sind eigentlich in einem totalitären Staat erfolglos.