Sensationsgier

Menschen sind so. Die Menschen waren schon immer so.Wenn irgendwo ein Unglück passiert ist, dann ist sie da, die Gier nach Informationen. Die Sucht nach dem Wissen, was passiert sein mag. Die Sucht nach der Wahrheit – die sowieso nie ganz enträtselt werden und kann und stets nur im Auge des Betrachters liegt. Und unsere moderne Welt, die Technik, das Internet und schlussendlich auch die Macht der Medien vermögen es, klarere Bilder von fast jedem Unglück auf der Erde zu erhalten – doch wissen tun wir dadurch schon mal rein gar nichts.

Eine Meinung sich anhand von Bildern zu bilden – Bildleser wissen das – führt sowieso und fast ausschließlich nur in die Irre. Irren ist ja bekanntlich menschlich, Leichtgläubigkeit ebenso. Wir blicken auf ein Bild und glauben zu wissen, was geschehen ist.

Und doch, auch wenn wir es nicht wahr haben wollen, ergötzt es uns, das Leid anderer Menschen zu sehen, fast zu erleben. Wir können nicht anders, statt den Blick abzuwenden starren wir das Ereignis an und zerreißen und die Mäuler in wildesten Theorien und Spekulationen. Es ist wie mit dem Unfall, wie es so schön in der Ersten-Hilfe-Ausbildung gelehrt wird. Es passiert etwas, und auf einmal, ohne es selbst zu wollen, wie von einem inneren Drang getrieben, wie hypnotisiert stehen die Menschen am Ort des Geschehens und überbieten sich in den wahnwitzigsen Theorien, was, wann und wie auch immer passiert sein mag. Ein Horrorszenario jagt das das Nächste. Und mit jedem neu dazu gekommenen Mensch wird es noch dramatischer, noch gefährlicher.

Die Sensationsgier der Menschen kennt keine Grenzen. Weder räumlich, noch zeitlich. Je schlimmer die Katastrophe, desto mehr Weh und Ach, geheucheltes Mitleid oder ehrliches Mitleid an falschen Stellen. Wir Menschen sind so, dass Leid Anderer ist unser Lebenselixier. Jedes Unglück, ob groß oder klein, geht in unsere Geschichte ein. Anhand dieser Geschichte identifizieren wir uns, geben wir vor, daraus zu lernen und doch – wir wiederholen jeden Fehler. Wir versuchen die Natur zu zähmen und wundern uns über ihre Rache. Und wenn es nichts großartiges gibt, keinen Mord, keinen Terror, dann reicht schon das nächstbeste Unwetter. Ein Sturm – das normalste im Jahreskreislauf wird hochgeputscht zur Katastrophe epischen Ausmasses.

Wir Menschen sind so, wir brauchen das. Große Katastrophen und kleine Freuden machen das Leben erst lebenswert.  Andersrum mag es bei einigen auch zutreffen, doch die Masse braucht es einfach nur gigantisch. Die Dutzend Toten, die umgekommen sind, weil ein paar Wenige durchdrehen mussten sind wichtiger für den Tagesklatsch als die tausend Toten, die wir willkürlich ermorden mit unserer Lebensweise. Um uns selbst zu rechtfertigen.

Wir Menschen brauchen die Gier nach Sensationen und die Medien wissen das. Unsere Herrscher wissen das. Nur wir kleinen Lichter wollen es einfach nicht erkennen.

Homo homini lupus. – Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

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