Dunkelheit, Papier und Feder

Ein Geschichtchen zwischendurch …

Dunkelheit umfängt mich. Halt, nein. Aus meiner dunklen Höhle gekrochen umfängt mich der Lichtsmog der Stadt. Während ich die Dunkelheit meiner Behausung liebe und schätze, verachte ich um so mehr die Verschwendung. Überall strahlende Straßenlaternen, deren Licht in meinen Augen brennt. Dazu noch die diversen Beleuchtungen der Häuser. Firmen, die aus Sicherheitsgründen ihre sitze komplett ausleuchten. Ich hasse es.

Die Dunkelheit ist doch mein freund und sie so vertrieben zu sehen tut mir weh. In meiner schwarzen Seele. Ich wünsche mir die Zeit zurück, die Zeit der heimeligen Herdfeuer, Kerzenlicht, das mit seinem warmen Licht wenigstens noch Stimmung bringt. Aber dieses kalte elektrische Licht, nein, es ist absolut nichts für mich.

Aber es ist auch ein Symbol für die kalte Welt. Nein, nicht die Kälte des Wetters. Die mag ich. Die Kälte der menschlichen Zivilisation. Sie färbt ab, lässt mein zerbrochenes Herz zu Eis erstarren. So bekommt die Welt von mir die Kälte zurück, die sie mir immer wieder bringt. Berechnend, abweisend – ja, kalt hat sich mich gemacht. Und mir gezeigt, dass Gefühle eingesperrt gehören. Eine Zwickmühle, schreien die Emotionen doch danach raus gelassen zu werden. Doch sobald Menschen in meiner Nähe sind, geht es nicht mehr. Wozu habt ihr mich gemacht, was habt ihr aus mir gemacht?
Nein, ich bin kein seelenloses Ding. Doch habe ich sie eingeschlossen, eingesperrt, damit niemand mehr darauf rumtrampeln kann. Das würde schon zu oft getan und ich mag nicht daran zerbrechen wollen. Doch gibt es noch eine Möglichkeit, fernab der Menschen, die mir mittlerweile auf die Nerven gehen, Gefühle raus zu lassen. Eine kleine unscheinbare Sache, so einfach und simpel, doch nur von wenigen erkannt und von noch weniger praktiziert. Man nehme ein Blatt Papier und eine Feder…

So lässt sich auch jede Mauer überlisten, auch wenn sie selbst errichtet wurde. Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden und mauern dafür, dass sie entweder umgangen oder übersprungen werden. So einfach ist das im leben, wenn man will.

Dunkelheit umfängt mich, während die Feder über das Papier kratzt. Das Zeitalter von Belial, dem Fürsten der Hölle ist angebrochen. Die Lüge ist in der Welt, während die Wahrheit schlummert. Lüge und Missgunst, Macht und Gier und auch beides zusammen sind die Dämonen, die seit vielen Jahren die Herzen der Menschen bewohnen. Die Exorzisten scheinen ausgestorben zu sein.

Es gibt sie immer noch, die gestalten, die sich für erleuchtete halten und licht predigen. In ihrer maßlosen Überschätzung des eigenen Ichs drängen sie anderen ihren Willen auf. Und verlangen Opfer. Ein gewisses Maß an Egoismus sollte doch jeder Mensch haben – nur nicht davon beherrscht werden. Aber sich aufopfern heißt auch opfern. Und zwar sich selbst, denen, die die Opfer annehmen in ihrem Egoismus.

Papier ist geduldig. Zumindest ein paar hundert Jahre lang. Geduldig empfängt es, was die Feder bringt. Jeden Sinn und Unsinn. Jeder Fehler wird stillschweigend hingenommen, ja, sogar ignoriert. Was steht, das steht. Fertig.

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