Nuttentagebuch – Tag irgendwann

ich, Nutte

ich, Nutte

Die Tage gehen ins Land. Meine Pläne zur Erlangung der Weltherrschaft habe ich aufgegeben, ebenso meine Fluchtpläne. Warum sollte ich fliehen, wo ich es doch bei meinem Dosenöffner so gut habe? Gut, er hat so seine Macken, aber für diese habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sie ihm auszutreiben.

Die neulich anwesenden Besucher hab ich mir erstmal von weitem genauer betrachtet. Er nannte sie Familie. Nun gut, also wird das Menschengesindel erst einmal näher inspiziert – deren komische Rufe hab ich natürlich komplett ignoriert. Seit wann kommt der Kuchen zum Krümel? Hallo, ich bin die Königin hier, also haben die sich zu mir zu bewegen. Als ich dann aber bei denen lag, da war es um mich geschehen. Das gab Katzen-Wellness pur, Entertainment vom feisten. Einmal schön von oben bis unten das Fell auskratzen, herrlich. Warum die aber immer ihre Vorderbeine dazu nehmen und nicht die Zunge, wie es sich gehört – gut, mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die alles mit ihren Vorderbeinen machen. Und damit konnte ich sie dann auch klassifizieren – es sind einfach nur haarlose Affen. Und was macht man mit Affen? Richtig, dressieren.

Gut, bei den Besuchern hat es noch halbwegs funktioniert, aber auch nicht immer. Nur mein Dosenöffner scheint gegen diese Art der Erziehung immun zu sein. Dafür kann er aber etwas richtig gut – nämlich die ewig juckenden Stellen hinterm Ohr zu kraulen. Grade jetzt, wo mein Winterfell wieder wächst – was ich ja in meinem Reich im Grunde nicht brauche – das kommen die von mir gewünschten Aufmerksamkeiten auch dann, wenn ich sie brauche. Ich hole sie mir einfach. Wenn er wieder vor diesem Ding namens Computer sitzt, setzt ich mich einfach so posend vor ihm hin, das er nicht anders kann.

Mit dem Schwanz wird dann auch gleich der Schreibtisch aufgeräumt, so dass ich auch mehr Platz habe. Ich kleines süßes Ding pass zwar überall durch, wenn ich will – aber hey, es ist meine Wohnung, also hat er mir da Platz zu schaffen, wo ich gerade liegen will. Notfalls wird dann eben alles heruntergefegt, was mir im Weg liegt.

Doch nach meinem Kampf mit Mothra (mein Dosenöffner berichtete schon davon) hatte ich noch einmal ein anstrengendes Erlebnis:

Mein Dosenöffner hat auf dem Balkon ein Netz gespannt, um mir die ganzen Viecher vom Hals zu halten. Er meinte zwar, damit ich nicht abhauen kann. Was denkt der sich, ich bin eine Katze, eine Göttin, DIE Nutte – kein Netz kann mich aufhalten. Hat es auch nicht. Schnell hab ich die Schwachstelle entdeckt und bin auf Entdeckungstour gegangen, während der faule Sack schon wieder in der Dunkelheit gepennt hat. Dabei ist doch gerade nachts Jagdzeit!

Ich also die Schwachstelle ausgekundschaftet und wieder freudestrahlend ins Bett gehopst, um am nächsten Tag die Erkundung bei Tageslicht fortzusetzen. Da erdreistete sich so ein Eichhörnchen tatsächlich, in dem Garten vor meiner Wohnung rumzuhopsen. Dem musste ein Denkzettel verpasst werden. Gedacht, getan, ich also durchs Netz geschlüpft und dem frechen Vieh entgegen gesprungen, das natürlich sofort die Flucht vor mir ergriffen hat. So gehört sich das. Was ich in meinem Jagdeifer natürlich nicht beachtet hatte, dass ich ja irgendwie wieder zurück muss in meine Wohnung und der Sprung über 2 Menschenmeter doch etwas sehr hoch ist. Wie peinlich ist das denn, saß ich nun unten und musste meinen Dosenöffner maunzend um Hilfe ersuchen. Doch als er dann tatsächlich kam um mich zu, ähm, retten, da hab ich es ihm aber so richtig gezeigt. Schließlich haben wir Krallen, und so bin ich aus dem Stand hoch gesprungen, die letzten Katzenmeter an der Wand langegekrallt und wusch, war ich in der Wohnung.

Natürlich war ich so aufgeregt darüber und es war mir so peinlich, dass ich um Hilfe gerufen hatte, dass ich mich erst einmal 2 Stunden in eine Ecke verkrochen habe. Aber dann fiel mir wieder ein, dass sich schämen für eine königliche Katze nicht geziemt und bin dann wieder stolz erhobenen Hauptes durch die Wohnung getigert. Er hat auch kein Wort drüber verloren. Aber wenn ich den erwische, dass er das irgendwo rum erzählt, dann gnade ihm irgendwer. Ich nicht. Dann werde ich ihn als Kratzbaum benutzen …

Soviel dazu. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal wieder meine Erlebnisse auf, wenn es denn irgendwann mal wieder was zu erleben gibt in meinem beschaulichen Leben. Also bis bald, maunz, und möge die Mäusejagd stets erfolgreich sein.

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2 Responses to Nuttentagebuch – Tag irgendwann

  1. Maxx sagt:

    Süß geschrieben! Hehe, wünsche erfolgreiche Mäusejagd. :-) Und mögest du dich mit vielen Katern paaren, sofern nicht sterilisiert… ;-)