Wie weit darf Satire gehen?

Und wieder einmal hetzt der Islam – bzw. weniger die Religion dahinter, vielmehr ein einzelnen Angehöriger, gegen die verbale Entgleisung zum Thema der Religion. Man mag Dieter Nuhr für aufgeblasen und überheblich halten, Komiker für Neu-Intellektuelle wäre der passende Begriff dafür, doch Humor kommt eben nicht an, wenn man nicht über sich selbst lachen kann. Humor endet da, wo die Religion beginnt. Können wir doch dann ganz einfach jedwede Art von Humor verbieten.

Bester Beweis wieder einmal – in der “Welt” nachzulesen – ein Moslem, der die getroffenen Pointen der Satire von Nuhr als “Hasspredigt” tituliert. Klar. Allein für diese Wortwahl sollte der Muslime schon den Nobelpreis für Satire bekommen.  Man schaue sich nur einmal das Video an, dass dem Bericht der Welt beigelegt ist und wird erkennen, dass Nuhr zwar den Islam durch den Kakao gezogen hat, spitzfindig und angespitzt, aber dennoch in seiner Wortwahl und in den Pointen sehr zurückhaltend war.

Der Koran ist da nicht zurückhaltend. Der Koran ist (neben der Bibel und der Tora) das beste Beispiel für Aufruf zu Mord und Gewalt. So heißt es in der Neunten Sure:

(5) “Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig.”

(123) “O die ihr glaubt, kämpft gegen diejenigen, die in eurer Nähe sind von den Ungläubigen! Sie sollen in euch Härte vorfinden. Und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist!”

Da haben wir schon passend die Stellen gefunden, mit denen jeder Glaubenskrieg gerechtfertigt ist. Mit denen jedwede andere Religion ganz tolerant aus dem Wege geräumt werden darf. Mit allen möglichen Mitteln. “… aus jedem Hinterhalt” kann man als Rechtfertigung für jede Tat nutzen, ist doch der Begriff weit dehnbar.

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Toleranz von einer Religion zu erwarten wäre zu viel verlangt. Doch halt, es gibt da doch genug Beispiele. Nehmen wir einmal den Hinduismus. Im Hinduismus gilt die Regel, dass alles, was ein Mensch im Leben macht, wieder auf ihn zurückwirkt. Man könnte es auch einfach mit den Worten umschreiben: “Böses gebiert wieder nur Böses” (Filmzitat aus “Das fünfte Element”). Und Mahatma Gandhi war nun eben das Sinnbild für gewaltfreien Widerstand, für eine friedliche Lösung von Konflikten. Zwar gibt es im Hinduismus auch eine Kriegerkaste, so dient diese aber nicht dazu, den Glauben mit Gewalt zu verbreiten, wie es im Christentum und Islam gelehrt wird.

Der Buddhismus ist ebenfalls eine Religion des Friedens. Zumindest keine Religion des kriegerischen Aufdrängens des Glaubens. Zum Buddhismus findet man selbst oder wird höchstens darin erzogen, doch  niemals mit Gewalt hingezehrt. Man mag dem gern widersprechen – wenn denn stichhaltige Argumente vorhanden sind.

Doch zurück zum Islam und der Hetze gegen Andersgläubige oder Kritiker. Wie bereits deutlich angeführt, ist jedwede anders lautende Meinung zum Islam, die nicht dem Koran entspricht, eine Hetze gegen den Glauben. Ob nun theologisch, satirisch oder menschlich dargelegt – der Islam ist und bleibt eine Religion, die den Anspruch erhebt, die einzig Wahre zu sein. Allerdings reiht sie sich da gut in die lange Reihe der anderen Religionen ein, nur in der Durchsetzung des Glaubens gegenüber “Ungläubigen” ist der Islam Spitzenreiter.

Wenn man sich aber nun die Geschichte des ersten Kreuzzuges (Wikipedia) durchliest, so mag der Hass der Muslime gegenüber den Christen durchaus gerechtfertigt sein. Aber wir erinnern uns nun wieder des Ausspruchs “Böses gebiert wieder nur Böses” – ewige Rache ist kein guter Begleiter auf Dauer. Doch jetzt deswegen ein Gerichtsverfahren anzustrengen gegen einen Komiker, nun, es ist doch sehr überspitzt. Humor ist eine Sache, Satire ebenfalls. Und das bedeutet, nicht alles Ernst zu nehmen, was gesagt wurde. Ist es nun eine neue Form des heiligen Krieges gegen Ungläubige, wenn die Waffengewalt verboten ist?

Wie weit darf Satire – den Humor betreffend – nun gehen? Darf der Religionsgründer zitiert und damit zum Ziel der Pointe werden? Oder sollte ein Glauben aus den Räumen kabarettistischer Humorigkeit entfernt werden? Zumindest aus dem öffentlichen Teil. Denn wenn im Familien- und Freundeskreis schon eine Gotteslästerung verpönt ist, dann in der breiteren Öffentlichkeit erst recht.  Respekt vor einem Glauben ist eine Sache. Jeder soll glauben dürfen, was er will. Doch genau das verbieten ja die großen Religionen mit ihrem Anspruch, die einzige und wahre Religion zu sein und Andersgläubige laut der jeweiligen Bücher verfolgt werden sollen. Dann sollten doch Spitzfindigkeiten erlaubt sein. Die Freiheit des Wortes steht über jeder Religion.

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Nachtrag:

Putzig. Schon lange nach dem ich mit diesem Eintrag fertig war (Vorlaufzeit mit der Veröffentlichung von 24 Stunden), hat sich auch das Contra-Magazin in einem Artikel darüber ausgelassen. Was natürlich mehr oder weniger meine Auffassung darüber bestätigt. Aber nur als Erwähnung am Rande und als ergänzender Link dazu.

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5 Responses to Wie weit darf Satire gehen?

  1. Schakal sagt:

    Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Da wollt ich auch schon einen Text zu schreiben. Werd ich in Verbindung mit Relgionen allgemein vielleicht auch noch machen. Man kann von Nuhr und seinen Aussagen halten was man will, dennoch muss Kritik und Satire an Religonen erlaubt sein – insbesondere wenn es um solche Religionen geht, die Andersdenkende wie in den Suren beschrieben “behandeln” wollen.

  2. Maxx sagt:

    Völlig richtig, DL! Satire ist Satire, es ist überspitzt, witzig, poiniert; man lacht drüber (oder auch nicht), das befreit, und man vergisst es! Jetzt kommen islamische Religionswächter und wollen darüber entscheiden, worüber du lachen darfst. Wir schreiben das Jahr 2014! Wie bescheuert und brettervernagelt muss man sein, um einen Kabarettisten hier in Deutschland wegen Islamhetze anzuzeigen… Noch vor 20 Jahren hätte man sich so einen Fall hier gar nicht vorstellen können! Ich will keine Vorherrschaft einer Steinzeitreligion hier in Deutschland, und es ist mir egal, welche Verbrechen die Kreuzritter im Namen Christi vor Hunderten von Jahren begangen haben. Was zählt, ist die Gegenwart.
    Unterstreicht meine Ansicht, dass etwas ganz schief in diesem Land läuft – im Verhältnis zur sogenannten “Religion des Friedens”. Nun hat es den Nuhr erwischt, der, auch wenn ich ihn nicht so mag, in diesem Falle meine volle Solidarität hat.

    Aber das Ziel der Aktion dürfte ja erreicht sein. Künftig dürfte sich jeder die möglichen Konsequenzen zweimal überlegen, bevor er sich missachtend über die Religion des Friedens äußert… Besonders, wenn man vielleicht nicht ganz so prominent und bekannt wie Dieter Nuhr ist.
    So kann man eben auch die Meinungsfreiheit aushebeln – die Zensor sitzt dann schon im eigenen Kopf..

  3. Schmerzgott sagt:

    Satire sollte alles dürfen.
    Buddhismus würde ich persönlich nicht mal mehr als Religion, sondern als Lebensphilosophie bezeichnen. Aber ist Ansichtssache.
    Dafür, dass es in viel zu vielen Kriegen religiöse Elemente gibt (auch Christentum) reißen die ganzen christl. Gläubigen heutzutage den Mund weit auf. Haben die, die christl. Fundamentalisten und Hardcore-Kreationismus-Befürworter vergessen? Mittelalter, Kreuzzüge und Hexenverbrennung nicht mal erwähnt.

    • Dark Lord sagt:

      Auch hierüber habe ich mich schon oft und ausführlich ausgelassen. Regigion hat nichts mit dem Glauben zu tun, der Glaube an sich aber schon etwas mit einer Religion. Übrigens gibt es dazu ein nettes Video von Kalkhoffe neueren Datums auf Youtube, einfach und schnell suchen, sehr interessant und löblich, was dieser Typ so abläßt.

      • Schmerzgott sagt:

        Das Glauben aller basiert aber auf viele religiöse Schriften – Bibel, Koran etc. Die beiden genannten sind blutgesättigt und beide immer noch mit veralteten Strafen, Fehlübersetzungen etc. pp. Beispielsweise sind es keine 72 Jungfrauen, die Märtyrer erhalten sollen, sondern 72 Trauben von kristallener Klarheit. Schon ein Unterschied und nicht mal die Hälfte der Märtyrer würde für Trauben in den Tod gehen.

        Löblich ist das Video zwar schon aber eben auch nicht mit allen Themen, die rein sollten.

        Ein sehr aufgebrachter Moslem hat ein viel besseres Video veröffentlicht. Dort stellt er die Gründe, warum seine Mitgläubigen im Land sind in Frage, überschüttet sie mit Schimpfwörtern und meint nur, wenn es euch nicht passt und ihr nicht mit legalen Mitteln dagegen angehen wollte (was denen gerade nicht in den Kragen passt), dann verschwindet hier.