Warum hohe Leserzahlen bei Blogs wichtig sind?

Warum willst du dich von uns allen
Und von unserer Meinung entfernen?
Ich schreibe nicht, euch zu gefallen;
Ihr sollt was lernen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Dieser Beitrag richtet sich mal wieder ausnahmsweise

(C) http://www.ot4a.com/blog/

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an meine mehr oder weniger schreibenden Kollegen und Kolleginnen aus der großen und bunten Bloggerwelt. Und mehr oder weniger ebenso die absoluten und wichtigen Fragen: Warum bloggen? Welcher Sinn steckt dahinter, was erhofft ihr euch davon? Was erhoffe ich mir davon? Und warum zum Henker diese ganzen Challenges, Kooperationen und das ganze andere Gedöns? Nun, um der Fragen Herr zu werden, seien erst einmal meine Gründe für diese Form der Kommunikation zwischen Schreiber und vielleicht auch Leser näher zu beleuchten.

Warum blogge ich?

Es ist für mich mehr eine persönliche Aufarbeitung von dem, was war, ist und sein könnte. Was mich bewegt, was mich aufregt. Worüber ich mir Gedanken mache, was mich interessiert – aber auch: was ich veralbern kann. Eine Art der Übung im Schreiben, Ausdrücken, da mir die verbale Art und Weise der Kommunikation nicht so sehr liegt. So schreibe ich lieber das auf, was ich sonst so zu sagen hätte. Und da sich ein Blog mit der Vorlage des Formates von WordPress so gut anbot zu jener Zeit, als ich damit anfing, habe ich diese Art gewählt, ohne je vorher bewusst oder unbewusst von Blogs Notiz genommen zu haben. Bis ich diese Art der persönlichen und seelischen Aufarbeitung gewählt hatte, waren mir Online-Tagebücher eher suspekt. Drauf gebracht, allein schon durch seine Schreibweise, die ich sehr mochte, war der böööse Asmodeus mit seinem Blog.

Es ist also für mich persönlich eine Art der Bewältigung, Aufarbeitung. Gedanken sortieren, aufschreiben und dem Denkapparat entreißen, ablegen – damit im Oberstübchen wieder etwas Ordnung herrscht. Womit ich mich allerdings nicht anfreunden konnte sind irgendwelche Challenges, Kooperationen oder Möglichkeiten, die Leserzahl dieses Blogs explizit zu steigern. Wer es lesen mag, bitte sehr. Wer nicht – auch egal. Ich weiß, dass ich eine gewisse Stamm-Leserschaft habe, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Doch nicht einmal meine leibliche Mutter weiß von dem Müll, den ich hier verzapfe. Zumindest bis heute. Warum sollte ich mich darum kümmern, mein Blog bekannter zu machen? Warum an irgendwelchen Challenges teilnehmen oder Awards – wenn mich der Sinn dahinter persönlich nicht tangiert? Gelegentlich verliere ich mal meinen selbst gesteckten Sinn und Zweck dieses Blogs auch gern mal aus den Augen, doch ebenso schnell finde ich dann auch wieder die Linie wieder. Meistens.

Gut, gelegentlich pusche ich die Besucherzahlen eines Beitrages, wie z.B. den, den ich für eine Bekannte erstellt hatte, die Selbstgebasteltes unter die Leute bringen möchte, um einer Freundin und deren Hund zu helfen. Selbstverständlich bin ich auch in diversen Blog-Listen eingetragen – allerdings halten die Besucher aus diesen Portalen sich doch arg in Grenzen, was mich demnächst veranlassen wird, das Blog daraus wieder zu löschen. Soviel zu mir.

Nun zu den Anderen …

Und da sind die für mich interessanten oder auch weniger interessanten Fragen wichtig. Was und warum zum Henker erhofft ihr euch von hohen Besucherzahlen? Ist das so wichtig? Betreibt ihr ein Blog, um möglichst viele Leser zu haben? Wenn ja, dann sollte die Qualität des Blogs sich dementsprechend danach richten. Nehmen wir einmal das Blog Spontis. Die Beiträge und Bilder sind von professioneller Qualität, ausgesuchte und passende Themen und ein extrem geiles und ansprechendes Design. Da stimmt einfach alles, und die Besucherzahlen dieses Blogs dürften das auch eindeutig belegen. Auch wenn diese nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Dass Fotografen in ihrer “eigenen Runde” ihre Blogs bewerben finde ich entsprechend auch voll und ganz legitim. Schließlich findet da ein reger Austausch statt, man lernt voneinander, holt sich Tipps, Tricks und Anregungen oder meckert halt über die Unfähigkeit Anderer. Schließlich sind wir alle ja nur Menschen. Menschen meckern gern. Ausserdem werden ihre Arbeiten so auf die Art bekannter und der Eine oder Andere bekommt dadurch den einen oder anderen Job. Ebenso sei es mit den Künstlern, Autoren, Schriftstellern, Journalisten (wenn es unbedingt sein muss). Kurzum, Leute die sich beruflich profilieren müssen.

Doch welchen Sinn machen hohe Besucherzahlen für private Blogs? Für den kleinen Schreiber von nebenan, für den Jedermann? Wenn man nicht gerade versucht, mit dazugeschalteter Werbung noch bisschen was dazu zu verdienen? Mal ehrlich, glaubt ihr wirklich, dass außer den wenigen Bekannten, Freunden und “Followern”, die es wirklich aus Neugier oder Interesse lesen/verfolgen, jemand anderes interessiert? Schafft ihr es, jeden Tag oder zumindest regelmäßig die Blogs eurer Freunde zu durchzulesen oder spielt da das sogenannte Real-Life dagegen an? Arbeitet ihr wirklich die “gelikten” Blogs stets und ständig ab? Außer ein paar halbherzigen Kommentaren, die noch schnell hinterlassen, um die URL des eigenen Blogs möglichst weit zu verbreiten ist doch kein echtes Interesse da, oder? Ganz ehrlich, Hand aufs Herz!

Wenn ein Blog qualitativ etwas bietet, textlich, grafisch oder mit Geschichten oder anderem Wissenswerten, dann kommen die Leser von ganz alleine. Und verschwinden ebenso schnell wieder, wenn es eine Zeit lang uninteressant wird. Oder keine Regelmäßigkeit zu erwarten ist. Und mal im Ernst, es gibt im Internet mehrere hochwertige Rezeptdatenbanken. Wer also sollte sich wirklich die Mühe machen, aus tausenden Küchenblogs sich das gesuchte heraus zu suchen, wo doch eine weniger aufwendige Suche in den einschlägigen Portalen mehr Erfolg verspricht? Oder wer interessiert sich ausser ein paar wenigen für euren persönlichen Lifestyle? Der/Das/Die eine oder Andere findet per Suche mal einen interessanten Tipp zwischen den drölfzigionen Blogs, aber wird bestimmt kein täglicher Stammleser.

Und was interessiert den geneigten Surfer der letzte Urlaub eines Irgendjemand, der einmal irgendwo war? Schöne Bilder? Hotel-Rezensionen? Vielleicht noch welcher Strand an jener oder welcher Stelle besonders toll ist. Im Grunde folgt dann doch nur der Neid, weil man selbst das Ziel nicht besuchen konnte. Und mal ganz im Ernst – wen außer den Vertreibern und Herstellern von rezensiertem Nagellack interessiert das private Blog von Hausfrau XY, die einen kleinen Aufmerksamkeitsschub benötigt? Von der Hausfrau natürlich abgesehen, da dafür die Produktprobe gratis bekommt. Und bei jeder Probe aufs Exempel, die ich mal in solchen Blogs durchgeführt hatte, waren die Leserzahlen höchst überschaubar, die Kommentare extrem selten und bei “Gewinnspielen” die Teilnehmer rar. Ich glaube nicht, dass man auf diesem Wege mit einem mittelmäßigen, kleinen, privaten Blog unter Tausenden großartig auffällt. Ich würde es natürlich jedem gönnen, der mal Erfolg damit hat, aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit? Da müßte man sich schon ernsthaft und wirklich Mühe geben.

Interessanterweise ist mein Versuch mit der “Blog-Meckerkiste” erstaunlich gut angekommen. Wahrscheinlich und gerade deswegen, weil über Andere herzuziehen bzw. ein solches Statement zu lesen oder die Hinweise entweder mal was Anderes waren oder doch interessant genug, um auf Knall und Fall 100 Leser täglich anzulocken. Und das kontinuierlich. Aus Zeitgründen musste ich das Projekt leider aufgeben, obschon eben diese Resonanz verlockend genug war, es fortzuführen. Es war eben mal etwas anderes, es fiel aus der Reihe, völlig unüblich. Und ich denke, das sollte der Knackpunkt für jeden Blogger sein. Und mal ehrlich. Wenn in einer Strasse 20 Pizzerien ansässig sind, so sucht man sich doch sowieso die aus, die man selbst als Beste empfindet UND die eben schon gut besucht ist. Dort, wo viele verweilen, kann es nicht schlecht sein. Ein leerer Laden schreckt ab. Ein gut besuchter lockt an. Aber um eben diesen Punkt zu erreichen, bedarf es viel Engagement, Fleiß und eben die zündende Idee, die nicht schon Tausende vorher hatten. Bloß gut – dass ich auch hier aus der Rolle falle. Eben weil ich meinen Senf zu jedem möglichen und unmöglichen Mist dazugeben muss. In einer Art und Weise, die die Meine ist und nicht Jedermanns.

Geschrieben steht: “Im Anfang war das Wort!”
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
und schreib getrost: Im Anfang war die Tat!
(Johann Wolfgang von Goethe)

 

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2 Responses to Warum hohe Leserzahlen bei Blogs wichtig sind?

  1. Pingback:Zur Frage der Leserzahlen | Citronimus

  2. Dark Lord sagt:

    Für alle, die mit meinem Geschwafel den Sinn nicht wirklich erkennen konnten, den sei noch mal der Blog vom Maxx ans Herz gelegt, der das etwas strukturierter erörtert hat.

    >>> http://citronimus.de/zur-frage-der-leserzahlen/