Grau, trist, Elend, Paradies = Ossiland?

Wer kennt sie nicht, die Tage im Osten, alles Grau in Grau? Nein, wir hatten keine Farbe, die war nur dem kapitalistischen Westen vorbehalten. Black-White-Nation statt Black-White-Castle. Die roten Fahnen mit goldenem Hammer und Sichel waren nur eine Illusion von Farbe, eingeredet von den Staatsoberen. Farbe? Wo kämen wir dahin? Das würde ja die kapitalistischen Denkweisen über unser schönes Ostdeutschland zerstören.

Hallo? Natürlich war vieles grau und Trist. Doch niemals in den DEFA-Filmen, die waren ein Beispiel moderner Filmkultur und tausendmal besser als der Mist, den uns öffentliche und private Sender heute um die Ohren und Augen werfen. Halleluja! Der Sachsendreier hat gesprochen, hier beim NDR (nachzulesen hier). Elend allerorts! Jawohl, wir haben nur Dreck gefressen und auf den Strassen gehaust, weil es niemals moderne Wohnungen gab! Durch den Schlamm sind wir gekrochen, wie die Barbaren. Aber kaputte Straßenzüge kennt der Westen nicht. Nein, niemals! Alles vergoldet, nur feinster Marmor. Du Vollidiot, mach die Augen auf! Wer hier im Westen keine verelendeten Straßenzüge kennt, der rennt mit der rosaroten Brille durch die Gegend.

Und scheiße noch eins, wir konnten uns die modernen Wohnungen noch leisten ohne Probleme! Kein Mietwucher, wenn auch die Legebatterien nicht gerade vielfältig bunt zugekleistert waren. Und man höre und staune: Fließend warmes Wasser, Heizung, Kohle für alle – niemand musste frieren, der es nicht wollte! Niemand wurde aus seiner Wohnung vertrieben, weil ein Neubau mit schönen und teuren Eigentumswohnungen  oder ein Einkaufszentrum wichtiger waren.

Wir waren damals nie frei, durften nie sagen was wir wollten. Doch die DDR war sozialer, menschlicher was die Menschen anging als der ganze Dreckskapitalismus. Klar dürfen wir heute Autos kaufen, man sieht ja, wohin es führt. Verstopfte Strassen, jeder hat Schulden, weil MEIN HAUS, MEIN AUTO und MEINE YACHT wichtiger ist als alles Andere. Klar war in der DDR nicht alles Gold was glänzte, doch unser Leben war nicht schlecht. Und was heißt hier überhaupt polemisieren? Kohl dankbar sein? Ja geht es denn noch? Sollen wir Merkel gleich mit dankbar sein, seinem Mündel? Seiner politischen Ziehtochter? Lamentieren? In einer Zwei-Klassen-Diktatur? Wenn im Osten schon nur 83% – Lohn-Niveau herrscht, dann aber bitte auch nur 83% Preis-Niveau. DAS wäre gerecht – ohne zu lamentieren. Kein Wunder, wenn ganze Landstriche entvölkert wurden. Und immer noch die große Flucht anhält, weil Perspektivlosigkeit ein großes Wort ist.

Schon einmal Ostdeutsche Städte besucht, einst “blühende” Metropolen – zumindest keine Geisterstädte? Heute sieht man dort nur noch die Büsche durch die leeren Strassen wirbeln. Die ach so modernen und super schönen Einkaufszentren, die dort an jeder beschissenen Ecke hochgezogen wurden – leer! Menschenleer! Zum fürchten, vereinsamen! Klar dürfen wir tolle Autos fahren – doch ist das ein Preis für die sogenannte Freiheit? Was soll unsereins mit dem Scheiss-Auto? Man kann sich ja nicht einmal so monatlich über Wasser halten, ohne Auto. Ohne Zweitjob. Als Facharbeiter in gehobener Position. Ist das der Preis für die sogenannte Freiheit? Ehrlich – dann wäre ich lieber wieder nach Tschechien gefahren in den sozialistischen Bruder-Urlaub statt nach Amerika.

Und das beste wieder zum Schluß. Demokrötie. Ähm, Demokratie. Zum Lachen. Mal ehrlich. In der DDR hatte man auch die Wahl, zwischen einer Partei und derselben Partei. Was keiner weiß, in der BRD GmbH ist das ebenfalls der Fall. Man hat die Wahl, zwischen CDUCSUFDPGRÜNESPD und  CDUCSUFDPGRÜNESPD. Auch nur eine Partei. Auch mit dem gleichen Inhalt: Lügen, verarschen und verdrehen. Wie hieß es mal so schön? Warum noch zur Wahl gehen? Lasst die Merkel doch einfach alle 4 Jahre entscheiden, mit wem sie regieren will. Das Thema bleibt das gleiche. Mit voller Fahrt in den Abgrund. “Der eingeschlagene Weg ist alternativlos”. Merkel voran, wir folgen dir, egal wo wir reinstürzen. Wie damals bei Kohl und den anderen Demokröten.

Nein, die DDR war nie gut gewesen. Aber das ist die BRD auch heute noch nicht. Amen!

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6 Responses to Grau, trist, Elend, Paradies = Ossiland?

  1. Maxx sagt:

    Klasse. :-) Die merkelsche Alternativlosigkeit erinnert mich immer an die damals propagierte “Gesetzmäßigkeit” des Sieges des Sozialismus… ;-)
    Hab die Diskussion im NDR-Forum gerade mal quergelesen, schon mal interessant zu lesen. Die Ansicht des Foristen “Zwicke” deckt sich heute in etwa mit meiner Einschätzung (Berufsjubler unter sich.) – ein Alternativszenario. d.h. eine Zwei-Staaten-Lösung habe ich wohlgemerkt damals auch bevorzugt, aber realistisch war es eben nicht (mehr). Die Menschen wollten es halt mehrheitlich nicht, und so hat man halt bekommen, was man gewählt hat.

  2. Maxx sagt:

    Wenn man zurückdenkt, wie viele Diskussionen man damals geführt hat… Aber meine Erinnerungen sind halt auch widersprüchlich, wie schon geschrieben. Hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass ich keine “schöne” Kindheit im eigentlichen Sinne hatte, was aber nichts mit dem System zu tun hatte…

    • Dark Lord sagt:

      Und ich war im Grunde zu jung. Wie gesagt, kurz vor der FDJ kam die “Wiedervereinigung”. Aber dennoch war es genug um einiges mitzubekommen.

      • Dark Lord sagt:

        Um auf den Punkt zu kommen: Derjenige hat es so aussehen lassen, als wenn es uns damals so super schlecht ging. Von der sogenannten Freiheit einmal abgesehen, ging es uns fast noch besser in einigen Punkten. Und das wollen und können die meisten nicht verstehen.

  3. Schakal sagt:

    Da scheint sich eine Menge Wut aufgestaut zu haben. Einer deiner besten Einträge finde ich. Ergänzen möchte ich noch, dass auch die Kinderbetreuung in der ach so schlimmen DDR wesentlich besser war und Dinge wie Betriebskindergärten heute in anderer Form wieder aufkommen. Über die Stasi und die Vergangenheit mancher Linker zu dieser Institution wird sich beschwert. Über die Vergangenheit der CDU, die aus einer Partei hervorging, die mit dazu beitrug, dass Hitler an die Macht kam, wird heute kein Wort verloren. Heute haben wir BND, B/LKA, NSA und was weiß ich noch. Über die Zensur der Medien wird sich echauffiert. Ich würde mir hier manchmal Zensur an der richtigen Stelle wünschen und menschenverachtendes, hetzerisches, verblödendes TV- und Journalistenpack den Mund bzw. Stift verbieten. Und so weiter. Dass man 25 Jahre nach der “Wende” (welche?) immer noch von Ost und West spricht zeigt auch, dass immer noch der Wunsch der Obersten besteht, die Menschen gegenseitig auszuspielen. Und der ungeBILDete Pöbel schaut im Spiegel nach Sternen und verliert dabei den Focus aufs Wesentliche aus den Augen…

    • Dark Lord sagt:

      Danke für den ums Maul geschmierten Honig. ;) Wut? Nein, denke ich nicht. Aber mit geht diese Lügerei und “Damals war alles Scheisse” – Kacke auf den Senkel. Und wenn man dann besagte Kommentare liest könnte man gern mal aus der Haut fahren. Ist nur blöd, hab nur diese eine und ohne ist auch irgendwie uncool. Also doch darüber schreiben. Vergessen wir dabei aber auch nicht, das “Mutti” Märkäääl selbst fröhliche FDJ-Aktivistin höherer Gnaden war. Meinereiner war ja nur ein erzogener und gedrillter “Mitläufer”, der zu dem noch die Frechheit besitzt, sich eigene Gedanken zu machen. Der Unterschied von heute zu damals ist nur, heute teile ich diese.