Gothic-Musik für Stinos?

Wird die Gothic-Mucke so langsam salonfähig?  Die Zeichen dafür sind unbestritten vorhanden. Vorgemacht hat es der Graf, der in diversen Talk-Shows und irgendwelchen Frühstückssendungen mittlerweile auftritt und Jung und Alt glücklich macht mit seinem Geträller und Geschwafel. Doch kaum jemand ahnt, was es mit dem Bandnamen “Unheilig” wirklich auf sich hat. Kolleginnen, die meine Musik so tagtäglich ertragen, mehr oder weniger freiwillig, konnten es meist kaum glauben, dass die Wurzeln dieser Band in der Gothicszene zu suchen sind. Dabei sagt alleine der Name schon alles, oder muss man schon so abgestumpft sein, dass man alles einfach hin nimmt und Offensichtliches übersieht?

Doch Faszinierender-weise kam sämtliche Musik der Richtung bei “meinen” Damen meist mehr, selten weniger gut an. Gut, wenn es in Richtung Hardcore, sprich Deathmetal oder dergleichen geht, dann ist es vorbei mit dem Verständnis. Doch z.b. Mono-Inc. darf sich über verkaufte Tonträger freuen aus dem Bereich der Normalsterblichen. Dank mir. Wo sind meine Prozente? Mal ein wenig materialistisch gedacht.

Doch mal im Ernst. Blutengel hörte sich schon von je her wie ein verkappter Schlagerstar an, Letzte Instanz läuft mehr in der Schiene Kuschelrock. Saltatio Mortis, gut, nicht wirklich Gothic, aber immerhin gern in der Richtung gehört, schaffte es letztes Jahr mit dem Album auf Platz 1 der deutschen Charts. Lord of the Lost fangen an mit diversen Musikstilen zu experimentieren. Und Mono-Inc. wird weicher, sanfter. Wo soll das bitte noch hinführen? Ist Gothic-Musik dann wirklich salonfähig, dass es nicht mehr nur für uns “Aussenseiter” interessant wird oder wollen wirklich nur die Plattenlabels ordentlich absahnen? Ist es denn überhaupt noch Gothic oder geht es dann schon in Richtung Mainstream? Man macht sich so schließlich seine Gedanken. Gerade und wenn man auch mal in die anderen Bereiche reinhört, in die elektronischen Facetten der Szene. Manches Mal hat man das Gefühl, wieder in der Zeit von Marusha und Blümchen anzukommen, einfach nur noch ein bisschen Techno, dafür aber mit düsteren Texten. Aber auch diese nicht immer. Oft geht es auch um Liebe und Herzschmerz – da kann ich doch gleich Schlager hören. Mal überzogen ausgedrückt.

Die genannten Bands spiegeln ja auch nur einen kleinen Teil der großen Szene wieder. um mal in der Schublade zu bleiben. Aber im Ernst, seit Gothic-Rap salonfähig wird – ohne verurteilen zu wollen, da sind wir doch schon wieder im gesellschaftlichen Konsens angekommen. Dann doch lieber die kleinen Konzerte mit der Musik die man mag. Auch wenn es sie nicht gratis auf dem Rathausmarkt gibt. Aber das ist man mehr unter sich, da kann man sein, was man ist. Ohne die Nase-Rümpfenden Omas nebenan.

Davon einmal abgesehen, sind es wirklich immer und immer wieder die gleichen Bands, die auf diversen Festivals auftreten, sei es nun Amphi, Mera’ Luna oder das WGT. Brauchen die Festivalbetreiber die bekannten Zugpferde, um immer mehr und mehr Zuschauer zu bekommen oder weicht die Szene dermaßen auf? Oder können sie sonst die Festivals nicht mehr halten? Das sind so alles Fragen, die sich einem stellen.

Und Goldkehlchen, jetzt erwarte ich Deinen Senf als Profi dazu. Von mir aus gern auch länger und ausführlicher, denn schließlich bist du als Sängerin geradezu prädestiniert dafür. Oder auch das eine oder andere Stimmchen aus der Szene – diese Gedanken sind mir schon eine Diskussion wert.

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One Response to Gothic-Musik für Stinos?

  1. Schakal sagt:

    Dass einige Bands seichter werden, stört mich ehrlich gesagt nicht so. Solange sie authentisch bleiben und nicht wie unheilige Gestalten dem Kommerz alles unterwerfen und verraten, find ich das noch in Ordnung. Das Beispiel Lacrimosa zeigt zum Beispiel, dass es auch wieder härter und direkter werden kann. Das aktuelle Album Revolution zeigt das sehr gut. Auch unter neueren Genrevertretern gibt es durchaus härtere Interpreten, die mir textlich und musikalisch sehr gut gefallen – bspw. Schwarzer Engel und Unzucht. Insbesondere Schwarzer Engel stellen ein wunderbares Szenario in einer Welt dar, in der die schön aufzeigt wird, wie sie und die Menschen sein werden, wenn wir so weitermachen.

    Zumindest abseits der Mainstage scheint es beim Amphi allerdings noch die Möglichkeit zu geben, unbekanntere Bands zu erleben. Dort gibt es immerhin 3 Bühnen. Bei meinem diesjährigen Besuch hab ich so die eine oder andere interessante Band kennengelernt. Wie es beim WGT ist. weiß ich (noch) nicht – aber auch da scheint es ja eine Fülle an Möglichkeiten zu geben, auch unbekanntere Genrevertreter erleben zu dürfen. Beim Mera scheint der Trend, das selbe Line-Up im 2-Jahres-Rhythmus zu wiederholen, sehr stark ausgesprägt zu sein. Ob dies auf Dauer so gut ankommt, wird sich zeigen.