Schottland – Gedanken vor und danach

Schottland entscheidet: «Yes» oder «No» zur Unabhängigkeit

Faszinierend, wie sich in einer Zeit der Verbrüderung der Staaten, die immer mehr und mehr in einem großen Verbund, ob nun EU oder Eurasische Union aufgehen – immer mehr Teile der Bevölkerung die Kleinstaaten wieder zurück wünschen, die es vormals und ehedem schon gab. Nationale und regionale Identitäten sind wieder auf dem Vormarsch, zumindest in einigen Ländern. Viele Bürger haben von einer eurokratischen Union die Schnauze gestrichen voll, weil mehr Nachteile als Vorteile erkennbar werden. Und außerdem so langsam aber sicher die Lügen der Politiker, die die Vorteile hochspielen, aber die Nachteile verschweigen.

Nach der Krim – nehmen wir es einfach mal so hin – und dem ukrainischen Teil des Ostens, der gerne autark agieren möchte und lieber an Russland angeschlossen, stellen sich nun auch die Schotten quer und wünschen sich, zumindest in Teilen, eine Abspaltung vom United Kingdom. 1707 wurde Schottland mit England vereint, nicht ganz freiwillig, sollte man noch dazu anmerken. Und wo eine unfreiwillige Vereinigung stattfindet, wird der Ruf nach Unabhängigkeit nie ganz verklingen. Übrigens sind nicht nur die Schotten auf den Trichter gekommen, sich abspalten zu wollen (auch wenn das Referendum mittlerweile verloren wurde bei der Abstimmung), sondern auch die in Spanien ansässigen Katalanen haben die Schnauze voll vom “Mutterstaat” und dem Rest der EU – möchte ich einmal so unterstellen.

Witzig daran ist, dass sich die Eurokraten in Brüssel darüber streiten, wie denn der eventuell unabhängige Staat Schottland in der EU zu behandeln sein, ob europäische Verträge weiter gelten oder nicht. Auf den absurden Gedanken, dass die Schotten eventuell gar kein Teil der offiziellen EU in der heutigen Form sein wollen, kommen die Spitzendemokraten aber anscheinend nicht. Gesetzt den Fall, ich als familiär gebürtiger Schlesier würde zusammen mit dem mickrigen Rest der Schlesier einen unabhängigen Staat Schlesien ausrufen, diesen für unabhängig erklären, so würde ein Beitritt zur EU überhaupt nicht zur Debatte stehen. Mal theoretisch betrachtet.

Man möchte lachen angesichts der Nachrichten – auch wenn es maximal äußerst traurig erscheint – die man so liest zu dem Thema, wie und was Brüssel so denkt, angesichts der Welle von Kleinstaaten, die eventuell auf die Eurokraten zukommen könnte. Denn eines ist auf jeden Fall fakt, auch wenn die Wahl verloren ist, wird das Bestreben nach Unabhängigkeit nicht ganz erlöschen. Nun stellt sich im Grunde nur die Frage, wie ein Unabhängigkeitsbestreben zu werten ist. Und da spielt ganz einfach die überwiegende Mehrheit einer Bevölkerung die entscheidende Rolle. Wenn diese nämlich der Meinung ist, das sie lieber in einem Kleinstaat unabhängig leben wollen, so sollte man ihnen ihren Willen schon lassen. Alles andere sind aufgezwungene Entscheidungen und diese sind, menschlich gesehen, als diktatorische Willkür zu werten.

Gut, mittlerweile stellt diese Frage sich nicht mehr, da sich der Großteil der Schotten lieber vom Vereinigten Königreich weiterhin bemuttern lassen möchte. Aber der Aufschrei im Vorfeld war schon bemerkenswert.

Doch was ist so schlimm daran, wenn die Regionen wieder unabhängig werden wollen? Wenn doch eines die Geschichte immer und immer wieder gezeigt hat, dann doch das, das große Reiche – betrachten wir die EU mal als ein solches – nie lange Bestand hatten. Das römische Reich – zerfallen. Das Reich Alexanders des Großen – zerfallen. Ägypten – auch hier gab es ein stetes auf und ab, schlußendlich ist es nur noch ein kläglicher Rest im Vergleich zur einstigen Größe. Das griechische Reich – selbst der Rest davon ist nun auch noch bankrott. Größe hat noch nie Bestand gehabt. Was wichtiger wäre ist das Miteinander, auch wenn der Kleinstaaten. Alles andere ist nur Größenwahn von Wenigen, der nie Bestand haben wird. Spätestens dann, wenn die Wenigen selbst Geschichte sind…

Link dazu:

http://www.klamm.de/news/schottland-entscheidet-yes-oder-no-zur-unabhaengigkeit-11N200901011409189900615.html

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