Kleiner Denkanstoß an die SPD

Sozialist sein, heißt keineswegs bloß den Triumph einer bestimmten Partei vorbereiten, einen bestimmten Teil des Volkes einfach zur Macht zu bringen. Nein, es heißt arbeiten für eine Gesellschaftsordnung, in der alle aktiven Kräfte harmonisch verbunden werden und zu aller Nutzen zusammenwirken sollen.

August Bebel (1840 – 1913), deutscher sozialdemokratischer Politiker, Mitbegründer und Vorsitzender der SPD, 1872 wegen Vorbereitung zu Hochverrat und Majestätsbeleidigung, 1886 wegen Geheimbündelei verurteilt

Das wären ein Wörter von einem Urgestein der Sozialdemokratie, die man den heutigen Mitgliedern der Partei mal so gern an den Kopf hauen würde. Stundenlang, geschrieben in einem dicken Wälzer, damit die Erinnerung daran haften bleibt. Damit die Damen und Herren in ihrem Machtrausch, in ihrem Postengeschacher – in ihrem Wahnsinn – erkennen, wofür sie eigentlich stehen sollten.

Die Zeiten der SPD als Volkspartei sind schon lange vorbei. Sie waren schon vorbei, als ein gewisser Schröder die Macht ergriffen hat. Ein Schröder, der auch nur eine Marionette der Wirtschaft war. Einst war die SPD die Partei der Arbeiter, ihr Sprachrohr gegenüber der Wirtschaft ihrer Zeit. Doch was haben ihre Erben erreicht? Sie sind zum Sprachrohr geworden, zum Sprachrohr der Wirtschaft unserer Zeit. Und alles, was die Ur-Sozialdemokraten erreicht haben, wird wieder aufgelöst. Mit Wissen und Zustimmung der Sozialdemokraten.

Was sagt der Duden zum Begriff Sozialdemokratie? “Im 19. Jahrhundert innerhalb der Arbeiterbewegung entstandene politische Parteirichtung, die die Grundsätze des Sozialismus und der Demokratie gleichermaßen zu verwirklichen sucht.” Und sozial, Sozialismus bedeutet ungefähr in etwa: gemeinsamgerecht oder etwa gesellschaftlich zumutbarder Gemeinschaft zuträglich.

Sozialismus hat also etwas mit Gemeinschaft zu tun. Doch damit ist nicht die Gemeinschaft der Wirtschaft zu verstehen, die Gemeinschaft der höheren Klassen. Damit ist die Gemeinschaft Aller zu verstehen, die Gemeinschaft aller Klassen, Wirtschaft und Volk.

Das man das den Leuten dieser Partei erst noch erklären muss, ist wirklich traurig. Bebel würde, gelinde ausgedrückt, sich im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was heute mit der Sozialdemokratie so los ist. Ab Leute, kommt von eurem hohen Ross herunter und besinnt euch mal wieder der Werte, die euch im Grunde prägen sollten. Und wenn ihr damit in der Opposition sitzt, dann ist es eben so. Aber in der Form, wie es heute läuft, kann es nicht weiter gehen. Und dann braucht ihr euch nicht wundern, wenn die Mitglieder davon laufen, wenn ihr bei Wahlen stets und ständig weiter fallt, das sogar die Linke und die AfD euch den Rang streitig machen.

Doch es wird nie passieren. Die SPD wird nie wieder eine Partei der Arbeiter werden. Ich sehe Schwarz für eure Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes. Mahlzeit!

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4 Responses to Kleiner Denkanstoß an die SPD

  1. Maxx sagt:

    Die SPD ist (m. E. wie auch die CDU) im Grunde orientierungslos; sie hat (und sucht auch) keine Antworten auf die entscheidenden Fragen unserer Zeit. Die programmatischen Schwächen und die Abgehobenheit der Führung spüren die Menschen instinktiv. Sie resignieren, da sich ihre Realität nicht mehr mit dem Parteigeschwätz deckt. Dazu kommt die personelle Negativauslese in der Parteiführung, was aber auch auf andere Parteien zutrifft. An die Spitze der Parteien rücken die eloquentesten Politnetzwerker, die sich durch Beredsamkeit, Beziehungsnetzwerke, Wendigkeit, ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit, Ehrgeiz und Machtwillen auszeichnen. Ein Bebel wäre wohl heute kein Sozialdemokrat mehr (nur meine Meinung)…

  2. Maxx sagt:

    Gefällt mir ja, dass du deine Gedankengänge mit uns teilst. Vieles geht und ging mir manchmal auch so durch den Kopf.
    Wobei man zugegebenermaßen Personen immer im Kontext ihrer Zeit beurteilen sollte. Aber an Bebel, der ja noch Sozialist u. auch Marxist war, sieht man halt, wie sehr die Sozialdemokratie entkernt wurde, sich von ihren Ursprüngen entfernt hat…