Befähigt, engagiert oder doch lieber motiviert?

Überkam mich doch neulich die ehrenvolle Aufgabe, mich in einer Online – Schulung über engagierte und befähigte Mitarbeiter zu informieren – wobei mein Engagement in dem Fall in den Überstunden bestand, die ich dafür benötigte sowie in der Befähigung, diese auch durchzuführen. Wenn es um das Wohl des Unternehmens geht, in dem man arbeitet, dann sind die beiden besagten Eigenschaften das höchste Gut, die ein Mitarbeiter dem Unternehmen zu überbringen hat. So der O-Ton aus der Schulung. Schließlich geht es um den Mehrwert des Unternehmens, Umsatzsteigerung, zufriedenere Kunden …

Ein laut schallendes Lachen ertönt aus dem kleinen Umkleide-Kabinen-Lager-Dusche-Büro … Die Kollegen schauen erschrocken zur Tür hinein, doch der Mensch vor dem PC winkt ab. Er meint nur, dass da gerade Witze am laufenden Band erzählt werden …

Befähigt und engagiert. Reicht das aus? Oder sollte ein Mitarbeiter eines Unternehmens auch glücklich sein? Das wäre der nächste Punkt, der sehr gern übergangen wird in der Personalführung. Motivation ist ein sehr starker Antrieb. Doch Motivation kommt nicht durch Befähigung oder Engagement – Motivation bringt ein Unternehmen dem Mitarbeiter mit. Durch Motivation erst sind die beiden anderen Eigenschaften erst das, was sie sein sollen. Man kann hoch engagiert sein und überdurchschnittlich befähigt, doch was nutzt das bei fehlender Motivation?

Motivation kommt nicht von allein. Hier ist der Arbeitgeber in der Pflicht. Das regelmäßige Gehalt ist ein Punkt auf dieser Ebene. Doch sollte das im Normalfall eine Selbstverständlichkeit sein, die leider so selbstverständlich gar nicht ist. Ebenso ist eine ordentliche Arbeitsumgebung ein ebenso hoher Ansporn, Befähigung und Engagement zu zeigen. Und darunter fällt auch das Personalmanagement.

Was nützt es dem Arbeitgeber beim Personal zu sparen, Stellen zu streichen, wenn durch den erhöhten Stress der Arbeitnehmer jedwede Motivation verliert? Wo soll das Engagement denn herkommen, wenn Überstunden an der Tagesordnung sind? Die normale Arbeit mangels Kollegen liegen bleibt, weil falsche Sparsamkeit den Plan durcheinander wirft und das Soll erhöht? Und damit der Streßpegel ins unermeßliche steigt, die Motivation in den Keller rauscht und die anderen beiden erwähnten wichtigen Eigenschaften mitreißt?

Motivation können schon einfache Punkte sein. Der Zuschuss für ein Fitnesscenter mag ein guter Ansatz sein, doch sollte hier auf das Verhältnis geachtet werden. Welche Küchenhilfe kann sich ein Fitnesscenter leisten, das 70 Teuronen monatlich kostet, um 10 Teuronen Zuschuß dafür zu bekommen? Da sollten sich die Manager doch wirklich mal Gedanken machen, welchen Teamplayer aus dem sportlichen Bereich man mit ins Boot holt, um allen Angestellten gerecht zu werden. Aber auch der Zuschuß für eine Fahrkarte kann ein Ansporn sein. Und der öffentliche Nahverkehr bietet da wirklich gute Lösungen,  die für beide Seiten mehr als gerecht sind.Ein Mitarbeiter, der mit gesponerter Fahrtkarte und öffentlichem Nahverkehr zur Arbeit fährt – sofern möglich – spart Parkplätze in den eh schon zu engen Stadtgebieten und freut sich ungemein über das gesparte Geld. Monatskarten sind sehr, sehr teuer … Dann wäre auch wieder das Geld über für ein Fitneßstudio, im günstigsten Fall.

Allerdings,  ein Bonussystem auf Gutscheinbasis ist kein Anreiz. Ein Restaurantbesuch in einer noblen Absteige ist schon toll, auch für Küchenhilfen. Aber schon blöd, wenn die sich als Geringverdiener nicht einmal ordentliche Klamotten dafür leisten können. Oder 2-3 Jobs zu erledigen haben um über die Runden zu kommen und damit keine Zeit für Restaurantbesuche. Hier passieren die meisten Denkfehler. Gut, der Wille war da. Doch das Nutzen-Verhältnis ist nicht unbedingt das Beste. Und vor allem leidet darunter wieder die Motivation, wenn der Mitarbeiter verärgert ist über ein Bonussystem, das ihm sinnlos erscheint. Und ohne Motivation, wie bereits festgestellt, auch kein Engagement, auch wenn die Befähigung vorhanden ist.

Doch Motivation kommt nicht nur durch materielle Käuflichkeit des Mitarbeiters zustanden. Auch das Umfeld, die Stimmung und nichtr zuletzt das Verhalten der/des Vorgesetzten sind hierbei von entscheidender Bedeutung. Was nutzt ein motivierter Mitarbeiter, wenn das Betriebsklima schief hängt? Oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes arg zu wünschen übrig läßt? Immer mehr Vorschriften das Arbeitsfeld einengen?

Doch eines noch als Anmerkung am Rande: Wenn hier über Umsatz- und Gewinnsteigerung im Sinne des Unternehmens gesprochen wird, doch niemals über den Mitarbeiter als soziale Person – dann können solche Schulungen erst recht sinnlos erscheinen. Und das eigene Gefühl des Ausgenutztwerdens würde sämtliche Bemühungen der Schulung, Engagement und Befähigung zu steigern, zunichte machen. Und sogar noch das letzte bißchen Motivation zerstören.

Lässt sich abschließend also sagen: jeder Mitarbeiter ist befähigt,  sein Engagement zu überdenken, wenn die Motivation stimmt. Mahlzeit!

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2 Responses to Befähigt, engagiert oder doch lieber motiviert?

  1. Evy sagt:

    Schön, dass du dich mit dem Thema beschäftigst und der Beitrag klingt sehr durchdacht!

    Für mich ist Motivation nicht mit Geld gleichzusetzen, sondern der ARbeitgeber muss auch auf den -nehmer aufpassen. Wir tauschen nicht nur Leistung gg. Geld, sondern auch Vertrauen. Und als Arbeitnehmer sollte ich darauf vertrauen können, dass mich der Arbeitgeber nicht willkührlich dem Leistungsdruck ausliefert, sondern klar strukturiert. Und dass Konflikte gelöst werden. Ein gutes Arbeitsklima ist die größte Motivation.

    • Dark Lord sagt:

      Beschäftigen musste… Wie im ersten Satz glaube ich auch erwähnt. Und danke…

      Auch eine Sozialleistung, gerade bei uns im niedrig-lohn-sektor, ist eine gute Motivation. Auch und gerade wenn das Thema mit der Profi-card der öffentlichen Verkehrsbetriebe schon länger ein Wunschthema der Mitarbeiter ist. Aber deiner Ausführung ist auch nichts entgegen zu setzen, im Gegenteil, sie komplettiert das Thema noch. Danke dafür.