Thematisiert: Tag der deutschen Sprache

Heute, am 2. Samstag dieses Monats ist der Aktionstag – Tag der deutschen Sprache. Unter anderem inszeniert durch den Verein Deutsche Sprache e.V. Ein Tag, den sich alle die mal zu Herzen nehmen sollten, die die deutsche Sprache mit allerlei Unsinn füllen. Ja, auch ich darf mich mit meinen ständigen Wortneuschöpfungen dazu zählen. Und gelegentlichen Verengleutschungen.

Dieser Beitrag sollte ursprünglich schon am 13. September erscheinen, aber irgendwie hatte ich der Zeit einen kleinen seelischen Ausfall, eine kleine Schreibblockade, so dass ich ja sämtliche Einträge für einen geistigen Re-Boot (ha!) gestoppt hatte. Kurzum, jeden zweiten Samstag im September ist der Tag der deutschen Sprache. Und darum drehen sich dann auch folgende Gedanken:

Ey, Aldder, Digger sind, man mag es kaum glauben, keine deutschen Wörter. Zwar irgendwie schon im allgemeinen Sprachgebrauch einiger Weniger verankert, da es zwar nicht an Alternativen mangelt, dafür an anderen Sachen, deren nähere Bezeichnung ich gerade nicht benennen möchte. Es sind auch keine tatsächlichen Wörter, es sind reine, fiktive Kunstprodukte unserer hektischen Zeit.

Mit Wörtern umgehen zu können ist die eine Sache. Die andere, sie auch zu verstehen, geschrieben oder gehört. Den Sinn, den Inhalt und das Nicht-gesagte, sogenannte, zwischen den Zeilen. Interpretieren wird schon in der Schule gelehrt. Doch oft wird auch vergessen, dass ein Wort oder eine Kombination von Wörtern genau das ausdrücken soll, so wie es geschrieben steht. Ohne versteckten Sinn, ohne Hintergedanken. Ebenso ist es auch schon oft eine Herausforderung, seine Gedanken in Worte zu fassen, ohne, nennen wir es einmal so, “fremdländische” Formulierungen zu nutzen. Die Sprache, ob geschrieben oder gesprochen, ist die Seele eines Volkes. Je mehr sie verzehrt wird durch unbedacht genutzte Formulierungen, desto mehr geht die Seele verloren.

Wenn es allerdings schon an ein Wunder grenzt, festzustellen,  dass es tatsächlich noch Personen gibt, die nicht nur Rechtschreibung und Grammatik beherrschen,  dann muss man sich wirklich nicht wundern. Wenn eine Interpunktion, ein Setzen von Satzzeichen selbst gestandene Schreiber vor eine unlösbare Herausforderung stellt, dann gute Nacht.

Geschweige denn, die richtigen Fälle zu verwenden. Kennt überhaupt noch jemand den Unterschied zwischen Akkusativ, Dativ, Genitiv und Nominativ? Gut, es sind lateinische Bezeichnungen, doch jeder verwendet sie bewusst oder unbewusst, jeden verdammten Tag. Weiß überhaupt noch jemand, was mit dem Zitat “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod?” gemeint ist und weiß es auch umzusetzen?

Wir leben in einer globalisierten Zeit. Grenzen verschwinden, Reisen in die entferntesten Länder sind nicht nur ohne Probleme möglich, sondern auch in kurzer Zeit. Das Internet lässt uns alle näher zusammen rücken. Für eine ordentliche Groß- und Kleinschreibung nimmt sich kaum noch jemand die Zeit. Warum auch? In einem Chat, nennen wir es einmal so, diese in Echtzeit stattfindende Kommunikation zwischen verschiedenen Personen über Fernmeldeanlagen. Wir kürzen ab, was möglich ist, um Platz zu sparen, sei es auf dem Papier oder in der elektronischen Kurznachricht. MfG – mit freundlichen Grüßen. Die Zeit- und Platzknappheit lässt grüßen.

Doch warum muss ein “lol” ein echtes Lachen ersetzen? Haben wir keine Zeit mehr richtig zu lachen? Warum muss das “rofl” einen richtigen Heiterkeitsausbruch ersetzen? Kann man denn keine Emotionen mit Emotion ausdrücken, statt englische Abkürzungen zu nutzen? Wenn es nach der eingangs erwähnten Sache mit Seele, Sprache und Volk zu urteilen gilt, dann können wir mittlerweile sagen: Wir sind ein seelenloses Volk, ohne Rast, ohne Ruhe und ohne eigene sprachliche Identität.

Warum dies alles? Um an den einen Tag im Jahr zu erinnern, den wahrscheinlich niemand mehr kennt. Jeden zweiten Samstag im September ist der “Tag der deutschen Sprache”. In nicht allzu ferner Zukunft wird es wohl eher ein Gedenktag sein, an dem gelegentlich einige Unverbesserliche an damals denken, als wir noch eine eigene Sprache hatten und damit als Volk eine Identität.

Aber andererseits, macht doch eine buntere Sprachvielfalt im tagtäglichen Gebrauch schon das Leben ein wenig “bunter” und vereinfacht den Umgang mit Anderen. wenn ich von einem geistigen “Re-Boot” schreibe, weiß im Grunde jeder sofort, was gemeint ist. “Geistiger Neustart” klingt irgendwie, mhmm, hohl. Und drückt auch nicht alles aus, was mit dem englische Synonym schneller geschafft wird. Ich finde, man sollte schon differenzieren. Synonyme einsetzen, aber nicht zu häufig. Und gelegentlich auch mal die deutsche Fassung verwenden, damit man nicht vergisst, was die Synonyme im Grunde bedeuten. So verwende ich meist statt dem Wort “eigentlich” die Umschreibung “im Grunde”. Bedeutet das Gleiche, wobei letzteres die gefestigtere Beschreibung ist. Die deutlichere.

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