Zitiert und betrachtet

„…Die westlichen und demokratischen Industrienationen haben eine perfekte Camouflage erschaffen. Diese Camouflage ist das logische und konsequente Resultat der nun perfektionierten Herrschaftssysteme, die sich aus den Diktaturen Europas entwickelt haben. Ein effektives Regime benötigt heute weder Konzentrationslager, noch eine Ein-Parteien-Diktatur, um das Volk zu schröpfen und seinen Machtanspruch auszudehnen, ganz im Gegenteil. Wir leben ‚de facto‘ in einer sich immer mehr globalisierenden sanften Diktatur, deren Instrumente nicht Unterdrückung, sondern Unterhaltung, Brot und Spiele sind. Es gibt keinen besseren Sklaven als den Sklaven, der seine Ketten nicht spürt! Es ist nicht einmal eine dunkle Weltverschwörung notwendig, denn die Feudalherren, bestehend aus den Konzernführern, dem Kapital und der Politik, handeln und agieren intuitiv und ohne Zentrale in die gleiche Richtung, innerhalb der Parameter welche sich durch die geldbasierte Leistungs-Gesellschaft definieren. Orwells ‚1984‘ hatte einen greifbaren, sichtbaren Feind skizziert; den übergroßen und ‚bösen‘ Staat. Unsere ‚Diktatoren‘ hingegen schicken singende, tanzende, lachende Entertainer ins Rennen, die den Bürger unterhalten und ihn damit abhängig halten…“ (Max Roth, 2003)

http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256

Dieses Zitat von Max Roth kam schon etwas früher als der Artikel in der Süddeutschen Zeitung, wobei ich sagen muss: Hut ab, dass sich diese Zeitung getraut, die tatsächliche Begebenheit der modernen Art der Sklaverei zu veröffentlichen. Denn was der Autor des Artikels richtig erkannt hat, ist ebenso mein Ausspruch, den ich schon im zarten Alter von 18 Jahren erklärt hatte. Im Grunde war mein Spruch damals nicht mehr als die Erkenntnis, dass “das Volk noch zu satt ist, um die Unterdrückung zu erkennen.” leider sind alle meine damaligen Schriften entweder beim Staatsschutz gelagert und meine Exemplare durch die 26 Umzüge verloren gegangen.

Mittlerweile,  wie ich schon öfters geschrieben hatte, bin ich in der Erkenntnis ein Stück weiter und halte mich in der Beschreibung des Zustandes der heutigen Bevölkerung an der römischen Herrschaftsdevise panem et circenses – Brot und Spiele. Das Brot symbolisiert den Sozialstaat, von dem wir gelegentlich ein paar Krumen abbekommen sowie den Luxus, mit dem wir leben und den.wir nicht als solchen erkennen. Circenses, Spiele – das ist zum Beispiel der Fussball, die Sportveranstaltungen generell, unser soziales Leben in der Mühlen der Vereinsmeierei. Aber auch nur in dem normalen Umfeld, der Kinobesuch mit Freunden. Dies alles lenkt ab von dem eigentlichen Wissen, ein Sklave zu sein. Wir glauben frei zu sein von herrschaftlichen Zwängen und sind doch nur Sklaven des Systems.

Die heutigen Konflikte in der Welt sind nichts anderes als der Versuch, dieses Herrschaftssystem in den Ländern zu etablieren, die noch nach anderen Einstellungen festhalten. Und so wird ein Staat nach dem anderen in die, wie so schön genannt, neoliberale Herrschaftsform gepresst. Ob es funktioniert oder nicht, ist dabei egal.

Anfang des Jahres erfreute ich mich noch an den Montagsmahnwachen, weil der winzige Keim der Hoffnung urplötzlich Nahrung bekam, dass sich doch etwas ändern könnte. Doch mittlerweile ist der Keim eingegangen. Denn das persönliche wohl jedes einzelnen steht immer noch über dem wohl der anderen. Dafür sind die individuellen Wünsche noch zu stark ausgeprägt. Ein Umstand, den die neoliberale Herrschaftsform bewusst herbeigeführt hat.

Doch eines weiß ich. Auch wenn das derzeitige System der modernen Sklaverei noch funktioniert, ewig wird es nicht halten. Sich wenn wir bewusst im Zustand der Sättigung gehalten werden. Und bei vielen ist es auch der Zustand der Übersättigung.

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2 Responses to Zitiert und betrachtet

  1. Max sagt:

    Ja. Wir sind Sklaven. Ursache und Grundlage unserer Versklavung ist letztlich das “moderne” Geldsystem. Der irre Mechanismus der Geldschöpfung aus dem Nichts durch Banken, das Bankenmonopol, die Entstehung von Krediten, der Zinseszinseffekt, der damit verbundene Wachstumszwang usw. usf. Ungedecktes Geld erzeugen zu dürfen, bedeutet die ultimative Macht zur Versklavung der Menschheit. Es zwingt uns immer weiter unter die Knute der mittlerweile “systemrelevanten” Banken- und Finanzindustrie u. Großkonzerne und lässt das Hamsterrad für jeden Einzelnen von uns jedes Jahr etwas schneller rotieren…