Challenge hier, Challenge dort – macht euch damit fort!

Mittlerweile ist es von mir zu einem Unwort gekürt worden, dieses Challenge. Überall und immer wieder trifft man im Netz diese Challenge, in unterschiedlichsten Formen. Ganz beliebt unter Bloggern, um mehr Besucher auf ihre Blogs zu locken. Doch mal ehrlich, was hat man schon von mehr Blog-Besuchern? Reich und berühmt wird man davon nicht. Das Blog stagniert, also wird eine neue Challenge ausgerufen.

Challenge bedeutet ja nichts anderes als Herausforderung. Doch worin besteht die Herausforderung, sich in seinem Blog einer Challenge zu unterwerfen? Ist derjenige oder diejenige – wir wollen ja geschlechtsneutral bleiben – so ideenlos, um an einer Lieblingsmusik – Challenge oder  Rock – Challenge oder was auch immer teilzunehmen. Klar, der Mensch wächst an seinen Herausforderungen, doch müssen diese immer trendig sein? Und wenn es jetzt auch egoistisch und selbstverliebt klingen mag – meine Ideen in diesem Blog kommen von mir. Die sind meinem kranken Hirn entsprungen, dazu brauche ich keine Challenge. Man nehme eine prise Phantasie, etwas Grips, sieht ein Thema und sagt sich: Passt, dat isses. Ganz ohne Challenge. Auch wenn ich einige meiner Blog-Freunde damit vor den Kopf stoße …

challengeGenervt hat mich dieses Ding schon immer irgendwie. Doch nun wird mein bisschen verbliebender Verstand, den mein Job noch nicht gänzlich wegbekommen hat, noch zusätzlich malträtiert durch diese neue, ins unermeßliche gehypte “icebucket challenge”. Zum Henker nochmal, wo ist die Herausforderung, sich einen Kübel Eiswasser über die Rübe zu kippen? Damit das letzte bißchen Verstand gleich noch mit unterkühlt wird, um cool zu sein? Cool ist, wer von alleine auf die Idee kommt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und das Thema ist eine seltene Krankheit, die noch nicht einmal 0,003 % der Menschen befällt. Wenn wir nun um jede Krankheit mit diesen Ausmaßen eine Challenge veranstalten müssen, dann rennen wir ja nur noch mit Eiswürfeln auf dem Schädel durch die Gegend. Warum nicht gleich den Kopf in ein Gefrierfach stecken?

Klar, durch diese Aktion wird auf die Erkrankung aufmerksam gemacht und es fließen Spenden. Jeder C-Promi taucht für ein paar Minuten aus der Versenkung auf und jeder Selbstdarsteller genießt seine 2 Minuten Ruhm. Und es lenkt wunderbar ab von den Problemen, die die Menschheit tatsächlich hat. Doch wo sind die Spenden für die geschätzt 300.000 Obdachlosen, die ein Opfer der Gesellschaft geworden sind? Ja, nein, ist klar, wir brauchen erst eine Challenge dafür. Ich vergaß – mea culpa.

Es ist nur ein Zeichen für die Spaß-Gesellschaft, in der wir leben. Nicht mehr oder weniger. Für das bisschen Spaß und ein paar Spenden haben wir einen Medienrummel. Den könnte wir doch mal ausnahmsweise ohne Challenge haben, oder etwa nicht? Aber nein, das Thema wäre dann zu trocken. Dann trocknet euch erst einmal und bewahrt einen kühlen Kopf, vielleicht kommt dann doch mal die eine oder andere blitzartige Idee, wie man das Projekt Menschheit doch noch vom Abgrund weg ziehen könnte.

Apropos blitzartige Idee, diese überkam mich auch neulich:

Sitzt mir doch der Schelm im Nacken,
versucht mich am Verstand zu packen.
Nun spielt er rum, mit meinem Hirne -
Ich brülle noch: raus aus meiner Birne!
Doch den Reim musst ich noch kacken.
(ich mal wieder im morgendlichen Koffeinwahn)

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2 Responses to Challenge hier, Challenge dort – macht euch damit fort!

  1. Maxx sagt:

    Ach, was muss man oft von bösen
    Bloggern hören oder lesen.
    Wie zum Beispiel hier von diesen,
    doch lassen wir uns nichts vermiesen.

    Und wenn ich mich am Reim versuche,
    derweil ich diese Site besuche,
    trink ich nen Kaffee schwarz und stark,
    und texte doch nur Käsequark,

    Der Challenge-Mist ist wie ‘ne Seuche,
    wir ham doch unsre eignen Bräuche,
    den Leuten wirds zwar nicht gefallen,
    doch einmal wird es richtig knallen,
    und um mein Wort hier reinzupacken,
    muss ich nen letzten Captcha knacken.