Kleine Dämonenkunde: Rübezahl

Weiter geht es mit unserer kleinen Dämonenkunde mit einer wohl sehr bekannten Gestalt, die ebenso stark im Märchen- und Sagenreich vertreten ist sowie eine Gestalt aus dem Volk-(aber)glauben. Mittlerweile wurde seine Sage auch verfilmt, die DEFA-Märchen mit ihm als Hauptrolle sind schon fast zur Legende geworden. Es geht um unseren Freund aus den Bergen: Rübezahl.

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Man könnte ihn schon fast eher als guten Geist betiteln denn als Dämon, wenn, ja wenn da nicht seine dunkle Seite wäre, mit Wanderern oder anderen sich in den Bergen rumtreibenden Volk seine Späe zu treiben, die manchmal schon bösartig und derb sein können. Bei schlechter Laune soll er Unwetter bewirken. Die Sudeten sagen ihm ebenso nach, der Fürst der Gnome zu sein – würde von seinen derben Späßen her auch gut passen.

Allerdings hat er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, hilft den Armen und bestraft die Habgierigen. Leider ist der Glaube an ihn fast erloschen – wenn man sich die heutige Menschheit betrachtet, er würde reichlich zu tun haben. Er tritt als Riese auf, kann sich aber auch in Tiere oder andere Gestalten verwandeln.

Der Sage nach kamm er zu seinem Namen, als er eine Königstochter entführte, die er heiraten wollte. Mit Rüben, die sie in jede gewünschte Form und Gestalt verwandeln kann, vertreibt besagte Dame sich die Zeit und stärkt ihre Sehnsucht nach der heimat. Schließlich verspricht sie ihm ihre Hand (solange es nur eine Hand ist, man hat ja schließlich 2 davon), wenn er ihr die Zahl de rRüben auf ihrem feld nennen kann. Wenn ihm das nicht gelingt, darf sie nach Hause. Der Plan geht auf, Rübezahl verzählt sich jedes Mal aufs Neue und Madame füchtet auf einem Pferd, das sie von eine Rübe verwandelt hat und flüchtet zu ihrem Prinzen (man will ja standesgemäß leben, was hat ein Berggeist schon zu bieten). So kam er zu seinem Namen, der Rübezahl – und soll jedesmal zornig werden, wenn er diesen Namen hört.

Allerdings ist sein Wirkungskreis auf das Riesegebirge begrenzt – somit kann er, trotz seiner Macht, als kleiner Dämon angesehen angesehen werden.

VOM RÜBEZAHL

Rübezahl, der Geist des Riesengebirges, hatte oft seine Freude daran, den Menschen allerlei Streiche zu spielen; dabei erwies er den Armen aber mancherlei Wohltaten und strafte die Hartherzigen und Geizigen.

Einmal wanderte ein armer Glashändler mit einer schweren Kiepe voll Glaswaren auf dem Rücken über das Gebirge. Da er recht müde geworden war, hätte er sich gerne etwas ausgeruht, aber nirgends war ein Felsvorsprung oder dergleichen zu sehen, worauf er seine Last hätte absetzen können. Rübezahl, der ihn eine Weile beobachtet und bald seine Gedanken erraten hatte, verwandelte sich schnell in einen Baumstamm, der nun am Wege lag. Erfreut ging der müde Wanderer darauf zu, setzte seine Last ab und sich auf den Stamm, um sich zu erholen. Kaum aber saß er da, so rollte der Stamm unter ihm weg, den Berg hinunter, und der Händler und die Scherben des Glases lagen am Boden. Traurig erhob sich der arme Mann, und als er seine zerbrochenen Schätze betrachtete, fing er bitterlich an zu weinen. Da kam Rübezahl, der wieder menschliche Gestalt angenommen hatte, auf ihn zu und fragte nach der Ursache seines Kummers. Treuherzig erzählte der Händler sein Unglück, und daß er bei seiner Armut nicht die Mittel zum Ankauf neuer Vorräte besitze. Rübezahl teilte dem Traurigen nun mit, wer er sei, und daß er ihm helfen wolle, wieder neue Glaswaren kaufen zu können.

Nun verwandelte sich Rübezahl vor den Augen des erstaunten Mannes in einen Esel und gebot ihm, ihn zur nächsten Mühle zu führen. Der Müller brauche gerade einen Esel und würde ihm gerne ein so schönes Tier, wie er sei, abkaufen. Dann solle er sich aber um nichts Weiteres kümmern, sondern sich mit dem Gelde schnell fortmachen. Der Mann führte nun den Esel zur nächsten Mühle, und nachdem der knauserige Müller noch einen Taler vom geforderten Kaufpreis abgehandelt hatte, wurde das Grautier sein Eigentum. Der Händler nahm das Geld — er hatte noch zwei Taler mehr bekommen, als seine Glaswaren gekostet hatten — und machte sich damit schnell aus dem Staube. Der Müller freute sich recht über den guten, billigen Kauf, führte das muntere Eselein in den Stall und gab dem Knechte den Auftrag, demselben Futter zu geben. Darauf ging er in seine Stube. Sogleich aber kam der Knecht, vor Furcht und Entsetzen zitternd, ihm schon nachgelaufen und sagte: »Herr, der neue Esel ist behext! Ich habe ihm Heu gegeben, aber da rief er: Ich fresse kein Heu! Ich will Braten und Kuchen haben!« Der Müller wollte die Geschichte nicht glauben und ging mit in den Stall. Dort stand das Eselein ganz ruhig und still. Der Müller nahm nun eine Hand voll Heu, hielt es dem Tier hin und streichelte dasselbe. Der Graue aber nahm das übel, schlug mit dem Vorderfuß nach dem Müller und rief wieder: »Ich will Braten und Kuchen! Ich will Braten und Kuchen!« Entsetzt wich der Müller zurück. Der Esel aber drehte sich um, gab ihm noch einen Tritt mit den Hinterbeinen, so daß er ins Heu kugelte, und sprang dann durch die offene Tür hinaus ins Freie, wo er bald verschwunden war. Nachdem der Knecht seinem Herrn wieder auf die Beine geholfen hatte, rieb dieser sich die schmerzenden Glieder und jammerte: »Hätte ich doch meine zwölf Taler wieder! Mein schönes Geld!« Dem Müller aber war recht geschehen; denn er war geizig und hartherzig und hatte noch am Tage vorher einen armen Bauern um zwölf Taler betrogen, und Rübezahl hatte den Geizigen bestraft.

Quelle: H. Weinert, Sagen und Märchen, um 1890

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