Sommers Ende

Dunkelheit und ein frischer Wind. Zufrieden beginne ich den neuen Tag. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, der Sommer geht also zu Ende. Nein. Der Sommer war noch nie meins, gemocht habe ich diesen eigentlich nie so richtig. Helligkeit und Wärme sind nicht wirklich Dinge, die ich mag. Im Zwielicht den Tag beginnen hat etwas faszinierendes, mystisches. Der Mond scheint in seinem letzten Drittel und hat eine Anziehungskraft, die nicht nur die Meere beeinflusst, sondern auch meine Seele. Und der Himmel leuchtet in verschiedenen Farben, die Wolken spielen ihr Spiel, dass in obskuren Bildern endet. Ein faszinierender Blick, dem ich mich nur Schwer entziehen kann. Leise dröhnt der Motor meines Mercedes mit den 30 Sitzplätzen und dem persönlichen Chauffeur, der mich dem nächsten Ziel auf meinem Weg näher bringt. Die Mitreisenden schlafen fast alle, können mit dieser Tageszeit nicht umgehen. In fast allen Gesichtern steht das Leid geschrieben, den Tag so früh beginnen zu müssen.

An dem Eindruck, den Zwielicht, Mond, Wind und Wolken erwecken, können sie sich nicht erfreuen. Es ist eine schöne Tageszeit, um zur Arbeit zu fahren. Die Strassen sind noch fast leer, nur wenige Autos sind um diese Zeit unterwegs, kein Stau behindert meinen Mercedes. Langsam und gemütlich, stressfrei und ruhig, so beginnt der Tag mit dem üblichen Arbeitsweg. Keine hektischen Menschen, alle sind noch in ihrem unausgeschlafenem Trott relativ ruhig und überlassen sich ihrem Schicksal. Mit den schönen Bildern des Morgens am Himmel können sie nichts anfangen, starren stur durch die Gegend. Der Begriff Zombie fällt mir spontan ein…

Aus den Kopfhörern klingt ruhige Musik, Nachtblut nennt sich die Band. Es geht um den ersten und letzten Schritt im Leben, um das Leben dazwischen. Melancholische Gedanken, passend zu dieser morgendlichen Stimmung. Zu den Gesichtern der Menschen um mich herum, die starr, müde und teilnahmslos aus den Fenstern blicken.

Langsam führt mich mein Weg in das Zentrum der Stadt, in das pulsierende Herz, an dem von Ruhe und Stimmung, Zwielicht und frischem Wind nichts mehr zu spüren ist. Die Zivilisation mit ihrer Helligkeit, der Hektik und dem ganzen anderen Begleiterscheinungen, die ich so hasse, hat mich langsam wieder  in ihrem Griff. Bald beginnt auch wieder der mentale Druck, wenn ich meine Arbeitsstelle erreicht habe. Stress, Hektik, lautes Geschnatter…  Menschen, in ihrer Gier und ihrem egoistischen Verhalten. Menschen, die nur haben wollen, aber nichts dafür geben. Die kleine Aufmerksamkeiten als selbstverständlich hinnehmen. Nein, ich kann sie nicht hassen, ich habe nur Mitleid.

Und so langsam kommt wieder die Sehnsucht nach meinen eigenen vier Wänden, zumindest nach ein wenig mehr Ruhe, weniger Menschen und weniger Licht, dass so in meinen Augen schmerzt und blendet. Doch die Gewissheit, dass in 12 Stunden der ganze Trubel vorbei ist lässt mich hoffen. Langsam weicht die Dunkelheit der tödlichen Kraft der Sonne, dass Zwielicht weicht immer weiter zurück, der Mond verschwindet hinter dem Horizont. Die Türen öffnen sich, ich steige aus. Noch einmal die Nase in den Wind halten. Und in den Kopfhörern beginnt die Musik langsam Tempo zu bekommen, dass Tempo, dass ich nun benötigen werde. Auf in den Alltag…

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2 Responses to Sommers Ende

  1. Maxx sagt:

    Gefällt mir sehr gut! :-)
    Ich mag solche Postings… Intensive Eindrücke, gedankliche Bilder, die eine Stimmung vermitteln, in die ich mich als Leser gut hineinversetzen kann…