Buchkritiken auf alte Bücher?

Man möchte ja mal gern so den schon verblichenen Autoren der vergangenen Jahrhundert auf den Zahn fühlen, welcher Schalk ihnen denn so im Nacken gesessen hat, als sie das eine oder andere Machwerk so von sich gegeben haben. Welchen Wein sie getrunken haben, welche Frau da im Spiel war – kurz, einmal so gar lästerlich sein.

Gelesen habe ich mal so schnell morgendlich, eingesaugt und schnell wieder halbwegs verbannt aus dem Gedächtnis von Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts. Es soll eine Novelle darstellen und beschreibt nicht mehr oder weniger die altertümliche, spätromantische Version aus dem 18. Jahrhundert, den > amerikanischen Traum vom way of life. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Vom niemand, der durch seine musikalische Ader alles bekommt. Durch Zufall. What the fuck? Was hat der geraucht oder geschnupft? Den Stoff brauch ich auch mal, den Optimismus ebenso. Aber nicht die beschriebene Lebensfreude, damit würde ich heute als Hartz4-TV-RTL-Glotzer enden.

Ein Taugenichts zu sein, diese Lebensphase hatte ich auch einmal. Deswegen hat mir der Buchtitel so zugesagt. Und ich kann auch, wenn auch beschränkt, zustimmen, dass einem dann vieles in den Schoß fällt.
Jetzt mag gar mancher meinen: Andere Zeiten, andere Sitten. Doch so sehr ist, denke ich mir, mein Bild von der Vergangenheit nicht verzehrt. Es mag in damaligen vieles einfacher gewesen sein, herzlicher, offener. Doch dieses Buch, von diesem Haudegen von einem Schriftsteller aus längst vergangenen Zeiten hat hier doch etwas sehr maßlos übertrieben. Schöne heile Welt. Würde er heute leben, wäre er ein prima Schlager-Texter geworden.

Nebenbei bemerkt möchte man auch manchen Übersetzern und Abtippern, die von der alten Schreibschrift/Druckschrift abschreiben in das lateinische Alphabet gern nachträglich auf die Finger hauen. Gut, das “s” und das “f” sehen meist ziemlich gleich aus (siehe hier, Offenbacher Schrift), dennoch, ein wenig mehr Sorgfalt wäre schon schön. Mit einem Rotstift bewaffnet und das Buch in “analoger” Form … es wären gar lustige rote Bilderchen geworden, wenn ich jeden Abschreibfehler angestrichen hätte. Ich und meine fanatische Handhabung der deutschen Rechtschreibung – auch wenn ich selber gern Fehler mache oder einfach neue Wörter erfinde.

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