Den Kindern die Zukunft?

Einer meiner radikalen, persönlichen und verworrenen gedachten Gedanken: Wer heutzutage Kinder in die Welt setzt, handelt unverantwortlich. Warum? Was wir unseren Nachkommen hinterlassen ist nicht gerade rühmlich. Eine zerstörte Umwelt voller Gifte, eine zerstörte Gesellschaft voller Hass, Zwietracht, Machtgier und Neid. Und eine verfälschte Geschichte. Eine Menschheitsgeschichte, die alle paar Nasen lang umgeschrieben wird. Ein schwieriges Erbe, das ich als Kind ablehnen würde. Wenn mir nicht täglich vorgepredigt werden würde, was ich zu glauben hätte.

Nein, heute Kind zu sein ist nicht einfach. Man darf nicht mehr Kind sein sondern wird schon als Konsument heran gezogen. Als Verbraucher, der den Wert der Marke kennt, aber nicht den Wert des Geldes. Und schon gar nicht den Wert der Arbeit und der Gesellschaft.

Während meine Wenigkeit noch abends durch die Gegend tobte , während Muttern am Balkon brüllte von wegen reinkommen, sitzt die heutige Jugend drin und Muttern brüllt: geh doch mal raus. Obwohl, ich würde auch nicht raus wollen. Wenn man sich das kindliche Gesindel auf der Strasse ansieht – von den Eltern alle Schwachheiten vorgelebt bekommen. Erziehung – Fehlanzeige. Obwohl ich mich ja größtenteils auch selbst erzogen habe, aber immerhin mit etwas Verstand.

Die fehlende Eigenständigkeit ist auch eine der moderneren Schwächen der Nachkommenschaft. Oder sie sind zu selbständig. Aber was ganz massiv in den letzten Jahrzehnten aufgetreten ist, ist der sogenannte Gruppenzwang. Dies Abgucken, was der die das hat oder nicht hat … und dann auch haben wollen. Oder so sein zu wollen wie der oder jener. Ein menschlich auftretendes Massenspektrometer. Masse statt Klasse. Obwohl der Individualismus wieder sehr stark zum Vorschein kommt. Doch damit ist dann auch schon wieder jeder wie jeder. Apropos Jeder: Jeder ist sich selbst der Nächste.

Eine Gemeinschaft, wie sie es einmal gab, sucht man heute vergeblich. Auch und gerade unter den Gören. Ich vermisse die Zeit, in der man sich als Kind mal anständig prügeln durfte, ohne dass die gegnerischen Eltern einen gleich verklagen.

Nein, ich habe wirklich nicht den Drang mich zu vermehren…

 

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2 Responses to Den Kindern die Zukunft?

  1. Angela sagt:

    Endlich mal jemand Vernünftiges. Ich denke ähnlich und habe seinerzeit zum Thema Weltuntergang bei Dunkles Leben auch all jene gefragt, die einen solchen begrüßen würden, ob sie denn auch konsequent keine Nachkommen zeugen. Denn, wenn ich die Welt für so schlecht halte, dass ich mir wünsche, die Menschheit stürbe aus, dann darf ich auch nicht zum Erhalt beitragen. Übrigens scheint mir auch, ich wäre von meinen Eltern nicht wirklich erzogen worden. Mir kommt es so vor, als hätte ich mir die Manieren selbst beigebracht. Der Eindruck kann natürlich auch recht subjektiv verzerrt sein. Fakt ist, sie waren viel zu selten anwesend, um wirklich Einfluss auf mich zu haben. Ich glaube gar nicht mal, dass fehlende Erziehung das Problem ist, sondern diese falsche Form der Liebe. Viele Eltern glauben heute bzw. handeln danach, Liebe bedeutet, den Kinder (materiell) alles zu geben, was sie können und sie vor allem und jedem zu schützen, selbst dann, wenn der klare Menschenverstand sagen würde, das eigene Kind sollte für gewisse Fehl-Handlungen in Einzelfällen auch mal härtere Konsequenzen erdulden. Leid soll also auch dann ferngehalten werden, wenn es vielleicht mal zu Recht angebracht wäre, einen Tadel oder ähnliches hinzunehmen. Gemeinschaft feiert dann Auferstehung wie ein Phoenix aus der Asche, wenn alle Beteiligten unter der selben Not leiden. Die schweren Stürme hier im Norden haben das zumindest bewiesen.
    Gruppenzwang hat es immer schon gegeben. Früher war es sicher lebensnotwendiger sich gewissen Zwängen zu unterwerfen, weil der Erhalt des Lebens viel mehr von dem Gefüge innerhalb der Gemeinschaft abhing als heute. In einer Zeit, wo wir eigentlich viel unabhängiger agieren könnten als früher, wirkt dieser Zwang aber tatsächlich teilweise etwas belustigend. Heute ist es dann vor allem eine Frage der Charakterstärke, ob man sich zutraut gegen zu halten. Und die Mühsal dieses Zutrauens variiert je nach dem sozialen Umfeld, in dem wir leben, und hängt auch von den Freiheiten ab, die wir uns nehmen möchte. Eine andere sexuelle Orientierung? Ein reiches Kind, das aus dem Erwartungsgefängnis der Eltern ausbrechen will, während alle befreundeten Töchter und Söhne sich dem Lebensweg fügen, der für sie vorgesehen ist? Wie frei kann ich sein in sozialen Brennpunkten in Berlin, in einem katholischen Dorf in Oberbayern usw.?
    Ich habe einige Frauenfreundschaften verloren, weil ich dem Muttersein nicht wirklich etwas abgewinnen kann. Manche Frauen haben sich dann auch derart verändert, dass ich mit ihnen wenig gemeinsam hatte. Die Krönung der Schöpfung stellen aber die Frauenärzte dar, die mich bestimmt in der Lebensphase zwischen 30 und 40 laufend und penetrant gefragt haben, ob ich nicht noch Kinder wolle. Sie konnten es einfach nicht begreifen, dass es Frauen gibt, die einen solchen Lebensplan gänzlich ausschließen. Nun lebe ich ganz ungeniert, weil so alt bin, dass kein Hahn mehr danach kräht :-D